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20.07.2008 
Hvar, Kroatien

Aufstieg einer Insel

von Uli Schulte Döinghaus

Als eine der zehn schönsten Inseln der Welt gerühmt, entwickelt sich Hvar vor der Küste Kroatiens zu einem Sommerdorado Europas. Dazu trägt auch der Hvarer Kultursommer bei mit einer Reihe von ehrgeizigen Veranstaltungen, die den Willen zum "Upgrading" der Insel unterstreichen.

Stari Grad Plain: Das Gebiet auf der Insel Hvar gehört seit 2008 zum Unesco-Weltkulturerbe. Foto: dpa Lupe

Stari Grad Plain: Das Gebiet auf der Insel Hvar gehört seit 2008 zum Unesco-Weltkulturerbe. Foto: dpa

Wenn von Ivos Disziplin nicht so viel abhinge für die Insel und wenn seine Wachsamkeit mit weniger Verantwortung und mehr Verdienst zu tun hätte, dann könnte man ihn rundum beneiden. Sommerjob, Paradiesarbeit. Seine Tätigkeit besteht nämlich darin, auf einem Aussichtsturm hoch über der schönen und sonnengefluteten kroatischen Adriainsel Hvar nach Brandherden Ausschau zu halten, stets die Macchia im Visier, die in den Sommermonaten wie verheerender Zunder sein kann. Ab und an schweift sein Blick in den prächtigen Garten mit Olivenbäumen, Kräutern, Obst- und Gemüserabatten.

Der wäre nicht weiter der Rede wert, wenn der kleine Garten nicht auf die Geschichte der Insel verwiese: Zu Hause verwahrt Ivo Fossilienfunde, Muschel- und Fischversteinerungen, die ein paar Jahrtausende alt sein mögen und darauf schließen lassen, dass das Meer vielleicht mal bis hier oben reichte.

Ivos Münzfunde erinnern an die 520 Jahre (1278 bis 1797), als Stadt und Insel Hvar von der Republik Venedig beherrscht, aber auch zu kultureller Blüte geführt wurde. Noch heute nennen die Einheimischen das Zentrum der Stadt "Pjazza"; der Platz wird dominiert vom Hvarer Dom mit dem weithin sichtbaren Glockenturm und vom monumentalen Arsenal, in dem auf Meereshöhe Kriegsgaleeren repariert wurden und im Stockwerk darüber eines der ersten öffentlichen Theater Europas 1612 den Vorhang hob.

Im Jugoslawien des Marschall Tito wurde die Insel massentouristisch erschlossen und galt jahrzehntelang, mit Unterbrechung durch die Balkankriege, als so etwas wie die italienische Antwort auf Deutschlands mallorquinischen Ballermannkomplex. Das ändert sich allmählich: Insel und Stadt Hvar streben in den touristischen Adelsstand. Dazu trägt auch der Hvarer Kultursommer bei mit einer Reihe von ehrgeizigen Veranstaltungen, die den Willen zum "Upgrading" der Insel unterstreichen.

Dazwischen gibt's aber immer noch volksmusikalische Konzerte einheimischer Gesangsgruppen ("Klape"), ohne die dalmatinisches Leben undenkbar ist. Manchmal tun sie sich als Choristen für klassische Konzerte zusammen, die sich schon wegen der Kulisse einprägen: Verdis Requiem ist doppelt und dreifach unvergesslich, wenn es auf der Pjazza aufgeführt wird und sich dann die Abenddämmerung über die Szenerie der Stadt legt, über die Kathedrale, das Arsenal, den Hafen und die blassroten Dächer Hvars.

Die Venezianer wussten wohl um solche oder ähnliche ästhetischen Effekte. Sie haben Stadt und Insel Hvar ihr Gesicht gegeben, eine Baugestalt, die aufs Faszinierende korrespondiert mit einer natürlichen Lage vor der dalmatinischen Küste im östlichen Mittelmeer, welche das Reisemagazin "Conde Nast Traveller" ins Schwärmen versetzte: Es erklärte Hvar zu einer der zehn schönsten Inseln der Welt.

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