Spätestens seit diesem Urteil geht "tout le monde" im kleinen Hafen Hvars vor Anker. Luxusyachten dümpeln in bis zu sieben, acht Reihen hintereinander, nur ein paar Schritte vom "Carpe Diem" entfernt, dem Nachtclub, unter dessen Torbögen sich jeder niederlässt, der als in, cool und dazugehörig gelten möchte. Die Nächte beginnt man genussvoll im wohl besten Fischrestaurant, dem "Gariful", nimmt frisch Gegrilltes zu sich, immer mit einem einheimischen Wein. Weinbau hat auf Hvar eine ruhmreiche Tradition seit Römerzeiten; hier wird der Ursprung der Rebsorte Zinfandel vermutet, die in Kalifornien so beliebt ist.
Im "Gariful" sowie in den Restaurants und Bars in der Altstadt, beiderseits der Reste der alten Stadtmauer und links und rechts der Stufen, die zur Festung "Spanjola" führen, raunt man sich Geschichten vom russischen Megamilliardär Roman Arkadjewitsch Abramowitsch zu, der immer mal wieder vor Hvar die Anker lichtet und die Lappen flaggt. Aber auch Bill Gates hat schon mal vorbeigeschaut und der Schauspieler John Malkovich, dessen Vater aus Kroatien stammt.
Storys dieser Art sind vielleicht auch in einer dieser Winzerstuben wie dem "Katerina" Gesprächsthema, wo Frane Novak seinen wunderbaren Weißen tagsüber und abends verabreicht und verkauft. Dazu ein bisschen Käse, Oliven und dalmatinischer Schinken, der noch immer die Besucher zweifeln lässt, ob sie sich weiter zur Festung hinaufbewegen oder doch lieber in der Kühle der Stube ausharren sollen, zwischen dickem Mauerwerk aus alter Zeit und vor mächtigen, dekorativen Weinfässern.
Aber "Spanjola" muss sein, schon wegen der Traumperspektive auf Stadt und Hafen Hvar und die vorgelagerte Insel- und Halbinselwelt von Pakleni Otoci, mit den beliebten Bade- und Ausflugszielen Jerolim, Stipanska und Palmizana. Wer sich hierher ohne Tauch- oder zumindest Schnorchelausrüstung begibt, hat selbst Schuld.
Hier, in der einmalig klaren Wasserwelt der Ostadria vor teils mächtigen Felsgebilden und verwitterten Schiffswracks, tummeln sich farbenprächtige Fischschwärme, die Hvar zu einem der begehrtesten Tauchreviere Dalmatiens gemacht haben. Mit etwas Glück findet man die eine oder andere Amphorenscherbe aus vergangenen Epochen, die auch 400 Meter höher, unterhalb der Feuerwacht, unter Ivos Garten ihre Spur hinterlassen haben.


