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14.05.2007 
Frankfurter Wolkenkratzer-Festival

Aug in Aug mit Pegasus

von Roland Tichy

Im fast freien Flug zwischen Frankfurts Wolkenkratzern gibt es auf 60 Meter Höhe ein Dinner und einen Einblick in den Kampf der Banken um Höhe und Prestige. Von den eingeladenen Vorständen ist keiner gekommen. Die Herren der Schwindel erregenden Zahlen sind wohl nicht schwindelfrei.

So richtig glücklich und entspannt sehen Hessens Ministerpräsident Roland Koch und seine Frau Anke beim "Dinner in the sky" allerdings nicht aus. Foto: dpaLupe

So richtig glücklich und entspannt sehen Hessens Ministerpräsident Roland Koch und seine Frau Anke beim "Dinner in the sky" allerdings nicht aus. Foto: dpa

FRANKFURT. Stell dir vor, du bist zu einem Champagner-Dinner eingeladen, und keiner will mit. Das kann passieren, wenn man weiß, dass das Restaurant an einigen verdammt dünnen Stahlseilen in 70 Meter Höhe baumelt, und unter dem Stuhl das große Nichts gähnt – bis hinunter zum Baustellengrund und zu Baggern, die von da oben wie Spielzeug aussehen.

Der Immobilienfinanzierer Eurohypo und der Baukonzern Tishman-Speyer haben am Samstag in Frankfurt zum „Dinner in the Sky“ eingeladen. Anlass waren der Beginn des Opernturm-Baus und das Wolkenkratzer-Festival, bei dem mehr als eine Million Besucher die Skyline der Bankenmetropole feierte.

Von den eingeladenen Vorständen ist keiner gekommen, heißt es. Die Herren der Schwindel erregenden Zahlen sind wohl nicht schwindelfrei. Auf dem Boden zerren Windböen an den Partyzelten, als die Dinner-Gäste mit allerlei Sicherheitsgurten an einem der 22 Sessel festgezurrt werden, die um eine Stahltheke angeordnet sind. Angesichts der Sturmwarnung habe man die Flughöhe auf 60 Meter reduziert, so die beruhigende Botschaft des Bodenpersonals. Dann surrt die Festgemeinde in die Höhe, vor sich Canapés mit Parmaschinken, Mailänder Salamirollen und Schokokuchen, geliftet von der Firma mit dem programmatischen Namen „Wurst Kranarbeiten und Transporte“.

Es schaukelt erstaunlich wenig in der Vertikalen, aber schon wenige Meter über dem Boden beginnt sich das fliegende Restaurant zu drehen. Der grüne Taunus fliegt vorbei, die schwebenden Gärten im Norman-Foster-Bau der Commerzbank gleiten nach unten. Auf Augenhöhe mit Pegasus, dem geflügelten Dichterross, auf dem First der Alten Oper, endet die Höhenfahrt.

Unten also die Spielzeugbagger, oben der Lärm des Volksfests, der zum Rauschen wird, nur ein Dudelsack ist auch in luftiger Höhe erstaunlich schrill. Sandra, die Stewardess, bittet, angesichts des Windes die Champagnergläser festzuhalten. Gelegentlich pfeift ein Salatblatt am Gesicht vorbei, wenn der Nachbar beim Speisen die Windstärke unberücksichtigt lässt. Dafür ist das Knattern der vielen Helikopter noch unerträglicher, von denen sich gerade ein Sondereinsatzkommando der Polizei wie Spidermen auf einen der Bürotürme der Deutschen Bank abseilt.

Wer den höchsten Turm hat, war bei den Banken stets eine der wirklich wichtigen Fragen. Die Commerzbank zeigt stolz ihr Pissoir, bei dessen Gebrauch man durch die Panoramascheiben auf die Konkurrenz schauen kann. Es sind diese Jungs-Spiele, die später mit Millionen und mit Architektur ausgetragen werden und das Geschäft menscheln lassen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Der Opernturm wird zum Symbol für den Schneid, mit dem Ausländer auf Frankfurt setzen.

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