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21.01.2006 

Dieser ungebrochene Zuspruch zum Auto hängt nach Ansicht des Mobilitätsforschers Weert Canzler auch damit zusammen, dass Mobilität in Zeiten der Globalisierung in der Regel positiv gesehen wird. „Mobilität hat für viele Menschen auch etwas mit Sozialprestige zu tun. Ich nutze das Angebot der Billigflieger, bin also aktiv und Teil der rastlosen Gesellschaft“, sagt Canzler, Leiter der Projektgruppe Mobilität am Wissenschaftszentrum Berlin.

Nicht immer wurde das Unterwegssein allerdings positiv bewertet: Bis ins 18. Jahrhundert galt Mobilität nach Einschätzung Schneiders als etwas Unerwünschtes und Bedrohliches. Erst mit der Aufklärung habe sich dies geändert, fortan galt Mobilität als ein Symbol für Fortschritt und Unabhängigkeit. „Diese positive Symbolhaftigkeit besteht fort, ist aber zunehmend negativ besetzt. Die Menschen fühlen sich getrieben, von Politik und Wirtschaft wird Mobilität allerdings unreflektiert positiv gesehen“, sagt Schneider.

„Mobilität führt im Berufsleben vielfach zu Vorteilen, denen teilweise gravierende Nachteile im Privatleben gegenüber stehen. So hemmt oder verhindert Mobilität die Familienentwicklung.“ Der Soziologe hat in einer Untersuchung festgestellt, dass beruflich mobile Menschen häufiger kinderlos bleiben. Falls sie doch Nachwuchs bekommen, geschieht dies deutlich später als bei nicht mobilen Paaren. Jeder sechste in einer Beziehung lebende Erwerbstätige ist aus beruflichen Gründen mobil. „Ich schätze, dass diese Zahl in Wirklichkeit noch höher liegt.“ Davon gibt jeder Dritte an, nicht freiwillig dem Job hinterherzureisen. Zugenommen hätten vor allem Fern- und Wochenendbeziehungen. Zu den negativen Begleiterscheinung zählt der Wissenschaftler außerdem hohe Kosten und Umweltbelastung.

Dass das Internet durch Telearbeit zu Hause oder E-Commerce dazu beitragen kann, Verkehr und Pendeln zu vermeiden, glaubt Canzler nicht. „Das Gegenteil ist der Fall: Die gesparte Zeit wird für neue Wege genutzt oder um beispielsweise den Vertriebsradius eines Außendienstmitarbeiters auszuweiten.“ Auf den ersten Blick ein Widerspruch, denn in Zeiten von Pizza-Bringdiensten und E-Mail ist es wohl noch nie so einfach gewesen, einen Satz des französischen Philosophen Blaise Pascal (1623-1662) zu befolgen: „Das ganze Unglück der Menschen rührt daher, dass sie nicht still in einem Zimmer bleiben können.“

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