Sie setzte auf eine ökologisch und ethisch orientierte Unternehmensführung, als viele Manager solche Ideen noch für dummes Geschwätz und Zeitverschwendung hielten: Anita Roddick, die Gründerin der Kosmetikkette The Body Shop. Nun ist sie im Alter von 64 Jahren gestorben.
HB LONDON. Wie ihre Familie mitteilte, erlag sie am Montagabend in einem Krankenhaus im südenglischen Chichester einer Hirnblutung. Ihr Mann Gordon und ihre Töchter Sam und Justine seien bei ihr gewesen, hieß es. Roddick galt als Vorreiterin des umweltfreundlichen und fairen Einzelhandels. Sie unterstützte Industrieprojekte in der Dritten Welt, verwendete für ihre Kosmetik überwiegend Naturprodukte, Tierversuche billigte sie nicht.
Greenpeace-Chef John Sauven erklärte, Roddick sei eine „unglaubliche Frau“ gewesen, die sehr fehlen werde. Sie sei ihrer Zeit voraus gewesen. Roddick gründete den ersten Body Shop 1976 in Brighton - zu einer Zeit, in der von fairem Handel und Ökologie kaum die Rede war. Sie habe wenig Erfahrung gehabt, erzählte sie später. Das Geschäft sollte Lebensgrundlage für sie und ihre Töchter sein, während ihr Mann auf Trekking-Tour in Amerika war.
„Mein Geschäftsgrundsatz war Gordons Ratschlag, pro Woche etwa 300 Pfund umzusetzen“, sagte sie. Die Farbe Grün - Markenzeichen der Body Shops - habe sie gewählt, weil sie nur mit dieser dunklen Farbe den Schimmel an den Wänden ihres ersten Ladens habe verdecken können, scherzte Roddick einmal. Heute gibt es rund 2 000 Body-Shop-Filialen in 50 Ländern. Seit 2006 gehört die Kette zu dem Kosmetikkonzern L'Oreal, wird aber weiter unabhängig geführt.
Roddick und ihr Mann traten 2002 als Co-Vorsitzende von Body Shop zurück, sie war aber weiterhin als Beraterin tätig. 2003 bekam sie den Titel Dame of the British Empire verliehen. Im Februar dieses Jahres gab sie bekannt, dass sie sich 1971, bei einer Bluttransfusion während der Geburt ihrer Tochter Sam, mit dem Hepatitis-C-Virus angesteckt hatte. Zuvor war sie zur Schirmherrin der britischen Hepatitis-C-Stiftung ernannt worden.





