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27.06.2006 
Wirklich das gesuchte Tier?

Braunbär „Bruno“ kommt unters Messer

Selbst nach seinem Tod sorgt Braunbär „Bruno“ weiter für Aufsehen. Denn nun wird das Tier obduziert. Die bayerischen Behörden sind sich nicht sicher, ob der tote Bär auch der gesuchte Bär ist.

Am Sonntag war Bruno Radfahrern begegnet, die ihn fotografierten. Foto: dpaLupe

Am Sonntag war Bruno Radfahrern begegnet, die ihn fotografierten. Foto: dpa

HB MÜNCHEN. Im Mittelpunkt stehe vor allem eine DNA-Analyse, sagte der Sprecher des bayerischen Umweltministeriums, Roland Eichhorn, am Dienstag in München. Sie solle sicher stellen, dass es sich bei dem am Montagmorgen auf der Rotwand in Oberbayern von Jägern erschossenen Bären tatsächlich um „JJ1“ handelt, wie das aus Norditalien stammende Tier offiziell heißt.

„Diese Entscheidung (zum Abschuss) war nicht einfach. Sie war aber wegen der Gefahreneinschätzung absolut notwendig“, hatte der Staatssekretär im bayerischen Umweltministerium, Otmar Bernhard, die tödlichen Schüsse gerechtfertigt. Am Wochenende habe sich der über 100 Kilogramm schwere Bär in den bayerischen Alpen Mountain-Bikern und Wanderern genähert, erklärte Bernhard. Das sei gefährlich und nicht mehr zu akzeptieren gewesen. Tierschützer protestierten gegen den Abschuss, die SPD im bayerischen Landtag forderte den Rücktritt von Landesumweltminister Werner Schnappauf (CSU).

„Bruno“ war der erste Braunbär seit mehr als 170 Jahren, der sich in freier Wildbahn in Deutschland bewegt hatte. Das aus Italien stammende Tier war wochenlang im Grenzgebiet zwischen Bayern und dem österreichischen Tirol umhergestreunt. Dabei hatte er zahlreiche Tiere gerissen und sich mehrfach menschlichen Siedlungen genähert. Vereinzelt war der Bär auch durch Wohngebiete gezogen. Die Behörden sprachen von einem „Problembären“.

Gezielter Schuss tötete „Bruno“

Wochenlange Versuche, „Bruno“ lebend zu fangen, blieben erfolglos. Nicht einmal finnische Experten mit speziell ausgebildeten Hunden konnten das Tier stellen. Nur kurze Zeit nach der Freigabe des Abschusses wurde der Bär, der eigentlich unter Artenschutz steht, getötet.

Die Behörden wurden nach Angaben von Staatssekretär Bernhard am Sonntagabend informiert, dass sich der Bär im Rotwandgebiet unweit von Schliersee aufhält. Drei Jäger hätten sich auf seine Fährte gemacht und ihn aus 150 Meter Entfernung mit einem gezielten Schuss getötet. Eine Betäubung aus dieser Entfernung sei nicht möglich gewesen.

Der Bär soll nun präpariert und im Museum „Mensch und Natur“ in München ausgestellt werden. Dort ist auch der zuvor letzte in Deutschland geschossene Braunbär, der 1835 erlegt wurde, ausgestellt.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: „Der Bär hat mehr Angst vor mir gehabt als ich vor ihm.“

Ein Zeuge, der „Bruno“ noch am Sonntagabend fotografiert hat, sagte, das Tier sei sogar vor Kühen geflohen. „Der Bär hat mehr Angst vor mir gehabt als ich vor ihm“, sagte Thomas Krapichler, der Koch in der Berghütte Rotwandhaus ist. Der Bär sei unter seinem Küchenfenster vorbeimarschiert, und er sei rausgelaufen, um ihn zu fotografieren. Der Bär habe sich getrollt und sei auf einer nahe gelegenen Wiese von Kühen verscheucht worden, als er ein Schaf fressen wollte. Einige Wanderer bedauerten, dass der Bär getötet wurde. „Der hat doch Menschen nichts getan“, sagte einer.

Die SPD-Landtagsfraktion forderte den Rücktritt des Landesumweltministers. „Der politische verantwortliche Bärentöter Schnappauf hat als Umweltminister versagt und sollte seinen Hut nehmen“, teilte der umweltpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Ludwig Wörner, mit. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel erklärte: „Mir ist nicht klar, warum man ihn nicht betäuben konnte.“ Er äußerte aber Verständnis für Schnappauf, der kein Risiko eingehen wollte und deshalb die Abschusserlaubnis erteilt hatte.

„Bärendienst“ für den Schutz wilder Tieer

Der Deutsche Tierschutzbund kritisierte den Abschuss. „Wochenlang gelingt es angeblich nicht, den Bären einzufangen. Kaum wird er zum Abschuss freigegeben, ist er auch schon tot“, sagte Verbandspräsident Wolfgang Apel. Der Abschuss des Tieres verstoße gegen internationale Artenschutzvereinbarungen und das Tierschutzgesetz. Auch andere Tierschutzorganisationen bedauerten den Abschuss. „Leider war das Ende absehbar“, sagte ein Sprecher des WWF, dessen Experten ebenfalls versucht hatten, den Bären einzufangen. Der Naturschutzbund Deutschland erklärte, mit dem Abschuss sei den Bemühungen zum Schutz wilder Tiere ein „Bärendienst“ erwiesen worden.

Staatssekretär Bernhard betonte wie der Tiroler Landesrat Anton Steixner, dass es grundsätzlich keine Einwände gegen Bären in der freien Wildbahn gebe. In Österreich leben Bären, ohne dass Probleme bekannt sind. Es gebe Hinweise, dass es in Norditalien im Trentino weitere Jungbären gebe, die den Marsch nach Norden antreten könnten, sagte Steixner. „Das wäre eine Bereicherung. Aber das (der erschossene Braunbär) war einfach ein Sonderling, für den es keine andere Lösung gab.“

Österreichs Bundeskanzler Wolfgang Schüssel sagte am Montag, er persönlich bedauere, dass der Bär erlegt worden sei. Allerdings haben man Risiken abgewägen müssen. „Wenn die sagen, dass die Gefahr täglich größer geworden ist und möglicherweise Schaden entsteht, der vielleicht vor Menschen nicht Halt macht, ist so zu handeln“, erklärte der österreichische Regierungschef.

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