Ein Zeuge, der „Bruno“ noch am Sonntagabend fotografiert hat, sagte, das Tier sei sogar vor Kühen geflohen. „Der Bär hat mehr Angst vor mir gehabt als ich vor ihm“, sagte Thomas Krapichler, der Koch in der Berghütte Rotwandhaus ist. Der Bär sei unter seinem Küchenfenster vorbeimarschiert, und er sei rausgelaufen, um ihn zu fotografieren. Der Bär habe sich getrollt und sei auf einer nahe gelegenen Wiese von Kühen verscheucht worden, als er ein Schaf fressen wollte. Einige Wanderer bedauerten, dass der Bär getötet wurde. „Der hat doch Menschen nichts getan“, sagte einer.
Die SPD-Landtagsfraktion forderte den Rücktritt des Landesumweltministers. „Der politische verantwortliche Bärentöter Schnappauf hat als Umweltminister versagt und sollte seinen Hut nehmen“, teilte der umweltpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Ludwig Wörner, mit. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel erklärte: „Mir ist nicht klar, warum man ihn nicht betäuben konnte.“ Er äußerte aber Verständnis für Schnappauf, der kein Risiko eingehen wollte und deshalb die Abschusserlaubnis erteilt hatte.
„Bärendienst“ für den Schutz wilder Tieer
Der Deutsche Tierschutzbund kritisierte den Abschuss. „Wochenlang gelingt es angeblich nicht, den Bären einzufangen. Kaum wird er zum Abschuss freigegeben, ist er auch schon tot“, sagte Verbandspräsident Wolfgang Apel. Der Abschuss des Tieres verstoße gegen internationale Artenschutzvereinbarungen und das Tierschutzgesetz. Auch andere Tierschutzorganisationen bedauerten den Abschuss. „Leider war das Ende absehbar“, sagte ein Sprecher des WWF, dessen Experten ebenfalls versucht hatten, den Bären einzufangen. Der Naturschutzbund Deutschland erklärte, mit dem Abschuss sei den Bemühungen zum Schutz wilder Tiere ein „Bärendienst“ erwiesen worden.
Staatssekretär Bernhard betonte wie der Tiroler Landesrat Anton Steixner, dass es grundsätzlich keine Einwände gegen Bären in der freien Wildbahn gebe. In Österreich leben Bären, ohne dass Probleme bekannt sind. Es gebe Hinweise, dass es in Norditalien im Trentino weitere Jungbären gebe, die den Marsch nach Norden antreten könnten, sagte Steixner. „Das wäre eine Bereicherung. Aber das (der erschossene Braunbär) war einfach ein Sonderling, für den es keine andere Lösung gab.“
Österreichs Bundeskanzler Wolfgang Schüssel sagte am Montag, er persönlich bedauere, dass der Bär erlegt worden sei. Allerdings haben man Risiken abgewägen müssen. „Wenn die sagen, dass die Gefahr täglich größer geworden ist und möglicherweise Schaden entsteht, der vielleicht vor Menschen nicht Halt macht, ist so zu handeln“, erklärte der österreichische Regierungschef.


