0 Bewertungen
28.02.2005 
Deutsche Produktionen gehen leer aus

Clint Eastwood räumt die Oscars ab

Der amerikanische Regisseur und Schauspieler Clint Eastwood ist der strahlende Gewinner der diesjährigen Oscar-Nacht. Für das Boxer-Drama „Million Dollar Baby“ nahm die 74 Jahre alte Hollywood-Legende Eastwood in Hollywood den Preis für den besten Film des Jahres und den Regie-Oscar entgegen.

Glücklicher Gewinner: Clint Eastwood. Foto. dpaLupe

Glücklicher Gewinner: Clint Eastwood. Foto. dpa

HB HOLLYWOOD. Auch zwei Schauspiel-Preise gingen an Eastwoods Werk: Hilary Swank wurde als beste Hauptdarstellerin, Morgan Freeman als bester Nebendarsteller ausgezeichnet. Den Oscar als bester Hauptdarsteller bekam Jamie Foxx, der in der Musiker-Biografie „Ray“ die Soul-Legende Ray Charles spielt. Das Nachsehen hatte wieder einmal Martin Scorsese: Auch seine siebte Oscar-Nominierung als Regisseur mit „Aviator“ brachte den 62-Jährigen nicht zum Ziel. Die deutschen Oscar-Hoffnungen bei den 77. Academy Awards sind ebenfalls geplatzt: Das als beste Auslandsproduktion nominierte Hitler-Drama „Der Untergang“ von Oliver Hirschbiegel (47) ging leer aus. Stattdessen würdigten die Mitglieder der Filmkunst-Akademie den spanischen Beitrag „Das Meer in mir“ (Mar adentro). „Das war wie ein Test für mich“, sagte Hirschbiegel nach der Zeremonie der dpa. Enttäuscht sei er nicht. Außerdem schätze er Alejandro Aménabar sehr, den Regisseur des in seiner Kategorie ausgezeichneten spanischen Films. „Dem gönne ich das wirklich“, betonte Hirschbiegel. „Der Film ist ein Meisterwerk.“

Auch der nominierte deutsche Dokumentarfilm „Die Geschichte vom weinenden Kamel“ konnte sich nicht durchsetzen. Zuletzt hatte die Münchner Regisseurin Caroline Link vor zwei Jahren für das Drama „Nirgendwo in Afrika“ einen Oscar in Empfang nehmen können. Scorseses mit insgesamt elf Nominierungen favorisierter Film „Aviator“ konnte zwar fünf Statuen auf sich versammeln, wurde aber in den Königs-Kategorien bester Film, Regie und Hauptdarsteller nicht berücksichtigt. Dafür ließ sich die Australierin Cate Blanchett für ihre Rolle als Katharine Hepburn in dem Film als beste Nebendarstellerin feiern. „Aviator“ erhielt auch Oscars für Kamera, Ausstattung, Kostüme und Schnitt.

Geschichte eines alternden Box-Trainers begeisterte

Bewegt erlebte das Gala-Publikum im voll besetzten Kodak Theater am Hollywood Boulevard auch die Dankesrede von Jamie Foxx. Der 37- Jährige war als erster schwarzer Schauspieler außer für seine Rolle in „Ray“ zugleich auch als Nebendarsteller in dem Thriller „Collateral“ nominiert. Foxx gedachte seiner verstorbenen Großmutter Marie, bei der er aufgewachsen sei und die ihm immer noch im Traum erscheine. „Ich kann es gar nicht abwarten, heute Nacht schlafen zu gehen, weil wir so viel zu besprechen haben“, sagte Foxx und kämpfte mit den Tränen.

Zum besten Animationsfilm wurde „Die Unglaublichen“ von Brad Bird gekürt. Der 80-jährige Regisseur Sidney Lumet („Das Urteil“, „Wenn es Nacht wird in Manhattan“) freute sich über die Ehrung seines Lebenswerkes.

Mit seinem jüngsten Oscar-Triumph kann Clint Eastwood an den Erfolg mit „Erbarmungslos“ (Unforgiven, 1992) anknüpfen. Auch damals wurde er gleich doppelt als Regisseur und für den besten Film gefeiert. Sein jüngstes Drama erzählt die Geschichte eines alternden Box-Trainers (Eastwood selbst als Darsteller), der nur widerwillig einwilligt, eine ehrgeizige junge Frau (Swank) zu trainieren. Die beiden wachsen langsam zu einem Team zusammen. Doch in einem dramatischen letzten Kampf wird die Boxerin lebensbedrohlich verletzt, der Trainer fühlt sich dafür verantwortlich. In Deutschland kommt der Film am 24. März in die Kinos.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Oscars 2005: Die Preisträger

Oscars 2005: Die Preisträger

Bei der 77. Oscar-Vergabe in Los Angeles wurden am Sonntagabend folgende Preise vergeben:

Bester Film: „Million Dollar Baby“, Produktion Clint Eastwood, Albert S. Ruddy und Tom Rosenberg

Regie: Clint Eastwood, „Million Dollar Baby“

Hauptdarstellerin: Hilary Swank, „Million Dollar Baby“

Hauptdarsteller: Jamie Foxx, „Ray“

Nebendarstellerin: Cate Blanchett, „The Aviator“

Nebendarsteller: Morgan Freeman, „Million Dollar Baby“

Nicht-englischsprachiger Film: „Das Meer in mir“ („Mar adentro“, Spanien/Frankreich/Italien)

Adaptiertes Drehbuch: „Sideways“, Alexander Payne und Jim Taylor

Original-Drehbuch: „Vergiss mein nicht!“, Charlie Kaufman, Michael Gondry und Pierre Bismuth

Kamera: „The Aviator“, Robert Richardson

Schnitt: „The Aviator“, Thelma Schoonmaker

Ausstattung: „The Aviator“, Dante Ferretti und Francesca Lo Schiavo

Kostümdesign: „The Aviator“, Sandy Powell

Ton: „Die Unglaublichen“, Michael Silvers und Randy Thom

Sound-Effekte: „Ray“, Scott Millan, Greg Orloff, Bob Beemer und Steve Cantamessa

Make-Up: „Lemony Snicket“, Valli O'Reilly und Bill Corso

Spezialeffekte: „Spider-Man 2“, John Dykstra, Scott Stokdyk und Anthony LaMolinara

Filmmusik: „Wenn Träume fliegen lernen“, Jan A.P. Kaczmarek

Original-Song: „Al Otro Lado Del Rio“ („Die Reise des jungen Che“), Jorge Drexler

Kurzfilm: „Wasp“, Andrea Arnold

Animationsfilm: „Die Unglaublichen“, Brad Bird

Animations-Kurzfilm: „Ryan“, Chris Landreth

Dokumentarfilm: „Born Into Brothels“, Ross Kauffman und Zana Briski

Kurzfilm: „Mighty Times: The Children's March“, Robert Hudson und Robby Houston

Ehren-Oscar für das Lebenswerk: Sidney Lumet

Oscar für Humanitäres Engagement: Roger Mayer, Präsident von Turner Entertainment Co.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterHandelsblatt Specials

zurück
  • Chronik 2008: Das Jahr der Turbulenze...

    Chronik 2008: Das Jahr der Turbulenzen

    Bankenpleiten, Börsentalfahrt, Rezession: Kaum ein Jahr hat die Welt der Wirtschaft so durcheinander gewirbelt wie 2008. Im kommenden Jahr müssen sich Manager und Politiker neu beweisen. Handelsblatt.com blickt in den Tagen bis zum Jahreswechsel zurück auf eine Zeit vo...Special 

  • Türkei – ein Land zwischen Aufbruch u...

    Türkei – ein Land zwischen Aufbruch und Rückschritt

    Die Türkei sprüht vor Dynamik. Neben Istanbul bilden sich auch in Anatolien neue Wirtschaftszentren. Im Land entsteht ein Mittelstand. Das bietet auch Chancen für deutsche Unternehmer und Investoren. Zugleich gestaltet sich der Weg nach Europa schwierig: Die Türkei ste...Special 

  • Agenda IT-Fitness

    Agenda IT-Fitness

    Ob Waldarbeiter, Bäcker oder Arzt – ohne IT läuft im Beruf kaum noch etwas. Doch die Informationstechnologie wandelt sich permanent, und Unternehmen wie Arbeitnehmer müssen sich auf diesen Wandel einstellen. Wie das gehen kann, zeigt die Agenda „IT-Fitness“.Special 

vor

 

 

Bildergalerien

zurück
  • Wo sich das Sponsorenkarussell dreht

    Wo sich das Sponsorenkarussell dreht

    Zum Saisonende laufen in der Fußball-Bundesliga zahlreiche Verträge von Vereinen mit ihren Hauptsponsoren oder Ausrüstern aus, weitere kommen 2010 hinzu. Insgesamt geht es um Vermarktungsgelder von rund 90 Millionen Euro – und das mitten in der Wirtschaftskrise. Das Ma...Bildergalerie 

  • Rechte und Pflichten bei Eis und Schn...

    Rechte und Pflichten bei Eis und Schnee

    Starke Schneefälle, Glatteis und Dauerfrost haben in den vergangenen Tagen vielen den Weg zur Arbeit erschwert, wenn nicht gar unmöglich gemacht.Handelsblatt.com erklärt, was Sie beachten sollten.Bildergalerie 

  • Neue Regeln für die Einreise in die U...

    Neue Regeln für die Einreise in die USA

    Ab dem 12. Januar müssen USA-Reisende ohne Visum vorab online einen Antrag beim US-Heimatschutzministerium stellen. Nur mit Genehmigung, die per E-Mail erteilt wird, darf der Geschäftsreisende oder Tourist dann ins Flugzeug steigen. Die letzte Entscheidung trifft aber ...Bildergalerie 

vor