Die Bergungsarbeiten der nach dem Frachter-Unfall auf dem Rhein bei Köln gesunkenen Container gestaltet sich nach Angaben der Feuerwehr schwierig. Einer der Container drohte zu zerbrechen. Inzwischen stauen sich hunderte Schiffe auf dem Rhein, die Reeder rechnen mit erheblichen Schäden.
HB KÖLN. Bereits am Dienstag waren zwei Container geborgen worden. Neben einer mit Mais gefüllten Stahlkiste wurde ein zweiter Gefahrgut-Container aus der Fahrrinne gezogen. Der erste von insgesamt drei Behältern mit Gefahrgut war bereits am Montag geborgen worden.
Die Helfer hätten die Container langwierig entwässern müssen, weil diese sonst zu schwer gewesen wären. Bis in die Nacht wollten sie mit Chemikalien gefüllte Fässer aus einem der Behälter an Land entladen, damit er abtransportiert werden kann. Bis voraussichtlich Freitag sollen die restlichen 28 Container aus dem Rhein gefischt werden.
Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee hatte zuvor erklärt, mit einer raschen Freigabe des Flusses für die Schifffahrt sei nicht zu rechnen. Voraussetzung für eine Freigabe sei, dass alle im Fluss gesunkenen Container geborgen seien, sagte Tiefensee bei einem Besuch des Unglücksortes am Kölner Rheinufer. „Andere Schiffe dürfen nicht gefährdet werden“, betonte der Minister. Es werde voraussichtlich bis Freitag dauern, ehe die Schiffe wieder auf dem Rhein verkehren könnten.
Nach der Havarie des Binnenschiffes „Excelsior“ am Sonntag stauen sich hunderte Schiffe auf dem Rhein. Die Sperrung verursacht nach Angaben des Bundesverbandes der Deutschen Binnenschifffahrt für jedes vor Anker gegangene Schiff rund 2000 Euro Betriebskosten pro Tag. Für die Bergung der Container setzten die Experten auch ein Taucherglockenschiff und mehrere Kranschiffe ein. Die Tauchglocke wurde auf den Grund des Rheins hinuntergelassen und mit Luftüberdruck gegen eindringendes Wasser geschützt. So konnten Fachleute ohne Tauchausrüstung auf dem Grund des Flusses Hebeseile an dem Container befestigen. Ein Spezialkran hob dann den ersten Container aus der Fahrrinne. Insgesamt hatten sich nach der Havarie 17 Container in Ufernähe befunden. Weitere 14 sind in der Fahrrinne gesunken.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Duisburg war ein Riss im Rumpf der „Excelsior“ vermutlich der Grund dafür, dass das Containerschiff in Schräglage geraten war. „Durch den Riss war Wasser eingedrungen, das Schiff neigte sich, und die Ladung geriet ins Rutschen“, sagte Oberstaatsanwalt Detlef Nowotsch dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Sachverständige seien beauftragt worden, die den genauen Hergang klären sollen.
Die Binnenschifffahrt rechnet mit einem Millionenschaden für die Reeder. „Solche Schäden werden von niemandem bezahlt. Das ist höhere Gewalt“, sagte der Geschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Binnenschifffahrt, Jens Schwanen. Zu den Kosten für die wartenden Schiffe kämen noch die Belastungen für Schiffe hinzu, die wegen der Sperrung nicht losgefahren sind oder in entfernten Häfen ankern. Ausfallversicherungen gebe es in der Branche allgemein nicht. Schadenersatzforderungen gegen den Verursacher dürften zudem wenig Aussicht auf Erfolg haben, erklärte der Jurist.
Im größten europäischen Hafen Rotterdam verursacht die Rhein-Sperrung bislang noch keine Probleme. Ein Sprecher des Hafenbetriebs sagte, noch gebe es keinen Transportstau. Wenn Binnenschiffe zum Weitertransport der Güter fehlten, werde die Bahn eingesetzt. Das geschehe zum Beispiel auch bei ungünstigen Wasserständen auf dem Rhein.


