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01.05.2008 

Die Ereignisse von 1989 sind für Yue Minjun das Ende aller politischen Illusionen. Sechs Jahre später malt er „Execution“: Lachende Männer in weißen T-Shirts, die imaginäre Gewehre auf lachende, fast nackte Studenten richten. Im Oktober 2007 wurde dieses Bild für 4,2 Millionen Euro versteigert. Ein neuer Rekord. „Execution“ ist das bislang teuerste zeitgenössische Gemälde aus China.

Zuvor war das Bild jahrelang unter Verschluss gewesen. Der Hongkonger Kunsthändler Manfred Schoeni hatte es 1996 an einen jungen britischen Investmentbanker mit der Auflage verkauft, es mindestens fünf Jahre lang nicht öffentlich zu zeigen. Er fürchtete damals, Yue könnte sonst in Schwierigkeiten kommen.

Aber Probleme mit der Zensur hatte Yue nach eigenen Worten noch nie. „Sicher, die Zensur schränkt die Kreativität in der Gesellschaft ein“, sagt er. Aber als politischen Maler sieht er sich nicht. „Kunst muss unabhängig sein“, betont er in seinem Atelier. Sonnenlicht fällt durch hohe Fensterfronten ein, es riecht nach Ölfarbe. Paletten, Pinsel und Farbtuben sind wie zu einem Stillleben auf einem Tisch angeordnet.

Yue lässt sich nicht gerne einordnen und klassifizieren. Dass er zur Schule des „Zynischen Realismus“ in China gezählt wird, tut er achselzuckend ab: „Das kümmert mich nicht, das hat mit mir nichts zu tun.“



Seine Generation, die den kollektiven Zwang der Kulturrevolution in der Kindheit miterlebt hat, beharrt mit Nachdruck auf ihrer Individualität. Doch für die Künstler, die sich in kein Schema pressen lassen wollen, war das am Anfang nicht einfach.

Die Künstlerkolonie Yuanmingyuan etwa, neben den Ruinen des alten Sommerpalastes in Peking, wo Yue Anfang der 90er-Jahre sein erstes Atelier hatte, galt jahrelang als ein chinesisches Hippiedorf. Die Künstler waren Außenseiter, wurden als „liu mang“ beschimpft, als ziellose Faulpelze und Herumtreiber.

Aber dort fühlte sich Yue, vielleicht zum ersten Mal in seinem Leben, richtig zu Hause und dazugehörig. „Das war das Künstlerleben, das ich gesucht hatte“, schwärmt er mehr als ein Jahrzehnt später. Die Mieten waren niedrig, man war unter Gleichgesinnten. Für ihre Ausstellungen hängten die Künstler ihre Bilder manchmal einfach an die Bäume.

„Vor allem aber konnte ich mein Leben selbst bestimmen, konnte selbst entscheiden, wie ich meine Tage verbringe oder wie lang ich meine Haare wachsen lasse“, sagt der Maler heute.

Lesen Sie weiter auf Seite 4: Wie Marilyn Monroe

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