Daraus ist nichts geworden. Die Eröffnung der Strecke wurde erst auf Mitte 2007 verschoben, dann auf Herbst 2008. Inzwischen gehen die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) von einer Eröffnung im Sommer 2009 aus; falls der Senat die 1,8 Kilometer lange Stummellinie dann überhaupt bestellt. Die BVG hält den Betrieb des Teilstücks für unwirtschaftlich. Und Christfried Tschepe glaubt, dass Touristen sich das Regierungsviertel ohnehin viel lieber über Tage und zu Fuß anschauen.
Der Spitzname „Kanzler-U-Bahn“ hat den Bau der 220 Millionen Euro teuren Tunnel und Stationen von Anfang an aufs Korn genommen. Welcher Kanzler würde wohl mit der U-Bahn zur Arbeit fahren? Die Idee gehörte zur Hauptstadteuphorie der Nachwendezeit. Geplant war auch kein Mini- Shuttle, sondern eine Verlängerung der U-Bahnlinie 5. Sie führt aus dem tiefsten Ostberlin zum Alexanderplatz. Bis 2017 soll sie bis zum Brandenburger Tor verlängert werden und dort an das heute fast fertige Teilstück anschließen.
Von 2010 muss die U-Bahn-Trasse dafür unter dem Boulevard Unter den Linden gegraben werden, mit Stationen an der Friedrichstraße und an der Museumsinsel. Dort muss die Baustelle mit einem weiteren Großprojekt, dem Bau des Humboldt-Forums auf der Fläche des ehemaligen Stadtschlosses, koordiniert werden. Berlins historische Mitte ist somit auf Jahre wieder ein riesengroßer Buddelkasten.
Für Kritiker hat das fehlende U-Bahn-Zwischenstück Unter den Linden wenig Charme. Auf dieser Strecke rolle die S-Bahn fast parallel, dazu führen Busse den Boulevard ab, argumentieren sie. Für Freunde der U-Bahn gab es jüngst schlechte Nachrichten. Die geplanten eleganten U-Bahnhöfe von Star-Architekten soll es nicht geben - zu teuer. Am Touristen-Highlight Museumsinsel wird der Untergrund in Zukunft dann wohl eher nach Berliner Durchschnitt aussehen.
Die gesamten Baukosten für die neue U-Bahn belaufen sich nach Schätzungen bereits heute auf 664 Millionen Euro. Mehr als 550 Millionen Euro kommen dabei aus der Bundesschatulle. Der Fahrgastverband befürchtet bis 2017 neue Kostenexplosionen. Die Gegner der Kanzler-U-Bahn halten sie für Wahnsinn. Für die bereits fertigen Tunnel haben sie deshalb nur einen Vorschlag: Pilzzucht.


