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02.01.2008 
Glück

Das vergängliche Lebenselexier

von Jana Ehrhardt

Ein Schwall beglückender Opioide: Nicht Wut und Aggression haben die Menschen zum Miteinander befähigt, sondern positive Gefühle wie Freude, Lachen, Liebe und Zufriedenheit; sie sind der Motor, der Menschen zum Handeln treibt. Glück gibt es nicht für immer – und das ist gut so, wie Forscher wissen.

DÜSSELDORF. Der neunjährige Nicholas ist glücklich, wenn er ins Schwimmbad gehen kann. Seine Freundin Hanna wäre es, wenn sie den vor kurzem verstorbenen Hund ihrer Nachbarn als Stern am Himmel entdecken könnte. Und mein Sohn Oskar ist glücklich, wenn er seiner Sammlung ein neues Pokémon hinzufügen kann.

„Glück ist sehr individuell“, sagt der Salzburger Theologe und Erziehungswissenschaftler Anton Bucher. Im Auftrag des ZDF hat er untersucht, ob Deutschlands Kinder glücklich sind: 84 Prozent der 1 200 befragten Sechs- bis 13-Jährigen bejahten die Frage. Vorausgesetzt, dass sie nicht zu viele Hausaufgaben zu erledigen hatten – dann bezeichneten sich nur noch 39 Prozent als „total glücklich“. „Die Schule hätte ein wesentliches größeres Potenzial, zum Glücksgefühl der Kinder beizutragen“, sagt Bucher.

Der Hirnforscher Manfred Spitzer hat nachgewiesen, dass die Erinnerungsleistung umso größer ist, je besser sich jemand während des Einprägens fühlt: weil beim positiven Speichern der Hippokampus tätig wird, der Teil des menschlichen Gehirns, der fürs Erinnern zuständig ist. Mit negativen Emotionen verknüpfte Sachverhalte indes werden im Mandelkern abgelegt, wo gleichzeitig die Angst und ihre körperlichen Reaktionen mobilisiert werden. „Wenn Kinder schon Magenkrämpfe bekommen, nur weil sie an die Schule denken, ist etwas grundlegend verkehrt“, meint Bucher. Lernen kann nämlich glücklich machen; und nur, wenn es in einer positiven emotionalen Umgebung stattfindet, werden Kinder später in der Lage sein, das Gelernte aktiv und ideenreich in die Lösung komplexer Probleme einzubringen. Das Wort „Glück“ kommt schließlich ethymologisch von „gelingen“.

Positive Gefühle waren in der Entwicklungsgeschichte des Menschen von unschätzbarer Bedeutung. Heiko Ernst schreibt in der Zeitschrift „Psychologie heute“, dass das menschliche Gehirn zwar über lange Zeiträume hinweg „als Gefahrensensor funktionieren musste. (...) Wir haben als Art überlebt, weil wir uns auf das konzentriert haben, was schieflaufen kann, nicht auf das, was gutgeht.“ Aber nicht Misstrauen, Wut und Aggression befähigten die Menschen zum Miteinander, in dem sie komplexe Kulturen erblühen lassen konnten, sondern erst Freude, Lachen, Liebe, Lust, Zufriedenheit.

Warum wohl haben Frauen eine so große Schwäche für Männer, die sie zum Lachen bringen? Weil Humor und Geselligkeit Ausdruck von Intelligenz und sozialer Kompetenz sind, beides unabdingbar für eine verlässliche Zukunftsplanung. Und was wäre das Ganze ohne die Liebe, die aus evolutionsbiologischer Sicht eine Paarbeziehung über lange Zeit stabilisiert, lange genug, um Kinder gemeinsam großzuziehen? Heute ist das ohne größere Schwierigkeiten auch allein möglich, wenn es sein muss, aber in der Steinzeit hätte es ein Elternteil allein nicht geschafft.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Menschliche Psyche birgt hohes Frustrationspotential.

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