In der Kluft zwischen den harten Lebensbedingungen, die die menschlichen Hirnfunktionen einst prägten, und dem modernen Leben von heute hat die Hirnforschung ein großes Frustrationspotenzial für die menschliche Psyche aufgedeckt. „Unser größtes Problem besteht wahrscheinlich darin, dass wir nicht mehr um unser Überleben kämpfen müssen“, meint Gerhard Roth, Professor für Verhaltensphysiologie am Bremer Institut für Hirnforschung. Roth unterscheidet zwischen der langfristigen Lebenszufriedenheit und dem schnelllebigen Glück. Die Fähigkeit, zufrieden zu sein, ist teils genetisch angelegt, teils resultiert sie aus positiven Bindungserfahrungen in der frühen Kindheit.
Glücksgefühle gibt es, weil sie den Menschen zum Weitermachen anspornen, indem sie ihn süchtig machen nach dem Kick, der einsetzt, wenn sich das Gehirn mit einem Schwall beglückender Opioide belohnt. Dieser Glücksrausch hält jedoch nicht lange an. Recht bald sind die körpereigenen Drogen aus dem Körper hinausgespült. So erklärt sich die Traurigkeit, die oft zwei Tage nach einem Erfolgserlebnis einsetzt.
Die Sehnsucht nach einem größeren, anhaltendem Glück ist der Motor, der Menschen zum Handeln treibt, erklärt Roth. Aber: Je mehr Möglichkeiten sich ihm auftun, desto mehr frustriert ihn die Qual der Wahl.
Der Züricher Ökonom Bruno S. Frey hat gezeigt, dass Menschen, die unter ungünstigen Bedingungen leben, zwar unzufrieden sind. Sobald allerdings ein gewisser Lebensstandard gesichert sei, steigere eine weitere Verbesserung nicht mehr die Zufriedenheit. Nicht einmal den drei Lottogewinnern, die sich kürzlich den Jackpot von 45 Millionen Euro teilen durften, prognostiziert Frey ein langfristiges Glücksgefühl: „Das saust ganz kurz in die Höhe, dann flaut es wieder ab, sie gewöhnen sich dran und müssen sich mit ihrem vielen Geld rumärgern.“
Dass sich die Lebenszufriedenheit stets in etwa auf dem gleichen Level einpendelt, hat auch sein Gutes: Menschen, die traumatische Erfahrungen machen mussten, erholen sich in der Regel rasch und können weiterleben wie zuvor. Als einzige Ausnahme benennt Frey die Arbeitslosigkeit: Wer seinen Job verliert, findet nicht eher zu Glück oder Zufriedenheit zurück, bis er wieder in Lohn und Brot steht – selbst dann, wenn sich an seiner Einkommenssituation nichts ändert.
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