In Ländern mit hohem Beschäftigungsgrad wird Arbeitslosigkeit wesentlich schmerzlicher empfunden als in Volkswirtschaften, in denen Arbeitslosigkeit grassiert. Das liegt daran, dass Menschen sich stets an einer Bezugsgruppe messen, erklärt der Soziologe Jens Alber. Beispiel: „Nach der deutschen Wiedervereinigung ging es den Menschen in den neuen Bundesländern in ökonomischer Hinsicht zwar besser. Aber da die alten Bundesbürger zu ihrer neuen Vergleichsgruppe geworden waren, waren die ehemaligen DDR-Bürger trotz ihres neu erreichten Lebensstandards unzufrieden.“ So ergeht es auch dem Familienvater, der so lange froh ist über sein Einfamilienhäuschen im Grünen, bis er bei einem Klassentreffen frühere Freunde trifft, die ihm Fotos von größeren Häusern, schnelleren Autos und schlankeren Frauen unter die Nase halten. Mit dem quälenden Gefühl, dass das Leben ihn benachteiligt, kehrt er nach Hause zurück.
Laut Daniel Kahnemann, Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften 2002, trägt das Glücksniveau eines Landes entscheidend zur Produktivität bei: Glückliche Menschen sind bessere Arbeitnehmer und Unternehmer. Am Bruttosozialprodukt lässt sich dieses Niveau aber nicht messen, sagt Frey, eher an den Möglichkeiten zur Teilhabe und an gesellschaftlichen Kennziffern wie der Zahl der Krankenhausbetten oder der Lebenserwartung.
Die kleine Brise Unglück im Glück – ein bisschen Neid, ein Anflug von Ärger, Unzufriedenheit oder Angst – kann allerdings ein wichtiges Korrektiv sein, schreibt Psychologe Heiko Ernst. Sie bewahrt uns davor, blind für die Realität zu werden. „Ein Maximum an Glück ist nicht nur nicht machbar, es wäre auch kontraproduktiv.“ Partner, die sich nie streiten, kritisieren oder gegenseitig verletzen, verlieren auch bald das Gespür für Lob und Anerkennung. „Glück ist ein Kontrasterlebnis“, sagte schon Sigmund Freud, „nur möglich vor dem Hintergrund von schmerzlichen Erfahrungen.“


