Astronauten haben bei ihren Flügen keine Passagiermassen im Rücken. Dafür sind sie aber noch viel größeren Anforderungen ausgesetzt als Piloten - zum Beispiel der Schwerelosigkeit. Wie trainieren sie das?
Die Astronauten gehen baden. Zum Beispiel im europäischen Astronautenzentrum in Köln. Dort befindet sich ein zehn Meter tiefes Becken, in dem die künftigen Weltraumflieger üben können, sich mit voller Montur - tauchend - in einer Art Schwerelosigkeit zu bewegen.
In Houston gibt es ein noch größeres Becken, in dem sie unter Wasser die Handgriffe bei "Weltraumspaziergängen", wie das so gern so gemütlich klingend genannt wird, üben können. Gerhard Thiele, der die europäische Astronauten-Abteilung in Köln leitet, ist selbst neunmal für jeweils vier bis sechs Stunden abgetaucht, um sich auf seinen Flug mit dem Space-Shuttle im Februar 2000 vorzubereiten, bei dem ein dreidimensionales Bild der ganzen Erdoberfläche erarbeitet wurde. Er trainierte unter Wasser, von Hand einen Antennenmast ein- und auszufahren - für den Fall, dass die Automatik klemmen sollte. Weil die Automatik aber nicht klemmte, musste er dann oben gar nicht vor die Tür. Seine Kollegen, die für ISS, die Internationale Raumstation, trainieren, bereiten sich rund 50 Stunden im Pool vor.
Natürlich wird auch trocken trainiert. In Köln gibt es eine Halle mit "Mock-ups", so heißen die Modelle, an und in denen die künftigen Weltraumfahrer sich in realem Maßstab vorbereiten können. In einer Kölner Halle ist so 1:1 die "Columbus" aufgebaut, das europäische Raumlabor, das im vergangenen Februar an die ISS andockte. Im Mock-up, der wie eine große, aufgeschnittene Tonne aussieht, können die Astronauten sich bewegen und sich mit dem Raum vertraut machen. Er ist ungefähr so gemütlich wie ein übertechnisiertes Wohnmobil. Überall sind Schalter und Hebel angebracht, eine kleine Glasscheibe mit Handschuhen zum Durchgreifen ist für ein biologisches Experiment aufgebaut. In einem eigenen Raum sind die elektronischen Steuerinstrumente zu testen - das ist der "Simulator", der heute vom Mock-up getrennt wird. Und in weiteren Büros können die Raumfahrer die identischen wissenschaftlichen Experimente, die später für den Flug geplant sind, ausprobieren. Dazu gehört zum Beispiel eine komplette Ausrüstung zur medizinischen Überwachung der Herzfunktionen.
Die Halle enthält auch noch ein Modell eines Versorgungsmoduls, das im März mit einer Ariane-Rakete zur ISS gebracht wurde - und erstmals zu 100 Prozent vollautomatisch andockte, worauf die Europäer sehr stolz sind. In einer Ecke steht schließlich noch ein Modell des Spacelab, das 1993 ins All geschickt wurde. "Darin habe ich ungefähr 2 000 Stunden trainiert", sagt Thiele im Vorbeigehen. Er war als Ersatzmann eingeteilt und überwachte den Flug dann vom Kontrollzentrum in Oberpfaffenhofen aus.


