Die Astronauten bereiten sich bis zu zweieinhalb Jahre lang auf einen Flug vor. Und rund sieben Jahre warten die Europäer im Durchschnitt auf den Flug, die meisten absolvieren im ganzen Leben maximal zwei; in der übrigen Zeit arbeiten sie zum Beispiel als Entwicklungsingenieure, im Kontrollzentrum oder im Management. Trotzdem ist der Andrang groß. Als die europäische Weltraumbehörde in diesem Jahr vier Stellen neu besetzen wollte, bekam sie mehr als 8 000 Bewerbungen.
Ein "Spaziergang" im All, wie er unter Wasser geübt wird, ist wohl der Traum jedes Astronauten - und er sieht auf den Bildern besonders dramatisch aus. Doch die größten Gefahren lauern für die Weltraumfahrer wie für jeden Fluggast beim Start und bei der Landung. Wenn ein Shuttle in die Atmosphäre eintaucht, wiegt es gut 100 Tonnen und ist 28 000 Stundenkilometer schnell. Eine Stunde später und 400 Kilometer tiefer steht es ruhig auf der Landebahn. "Da wird eine ungeheure Energie vernichtet", sagt Thiele. Und wenn es ein Loch im Hitzeschild gibt, kann es zur Katastrophe kommen wie im Februar 2003, als die Raumfähre Columbia mit ihren Insassen verbrannte.
Beinahe noch gefährlicher ist der Start. Und Thiele lässt keinen Zweifel daran, dass die Raumfähre hier weniger Sicherheit bietet als die Sojuskapseln, mit denen die Russen zur ISS fliegen. Die Fähre sitzt seitlich auf den Antriebsaggregaten. Wenn es einen Unfall gibt wie 1986, als die Challenger auseinanderbrach, haben die Astronauten keine Chance. Die russische Mannschaft hingegen sitzt ganz oben auf der Rakete und kann die Kapsel im Katastrophenfall mit kleinen, exakt gesteuerten Miniraketen in einen Schleudersitz verwandeln, der sie zurück zur Erde bringt.
Auch der Start wird in einem eigenen Simulator der amerikanischen Weltraumbehörde geübt. Dort werden die Astronauten nach hinten gekippt und geschüttelt, und die Instrumente spielen ihnen verschiedene Szenarien vor, darunter auch Notfälle. "Wir haben das mehr als 100-mal geübt", erzählt Thiele. Und hin und wieder wurde auch eine Katastrophe simuliert, etwa ein Totalausfall der Triebwerke. Thiele: "Das waren so Situationen, da wusste man: Im Ernstfall kommst du hier nicht mehr heraus."
Reinhard Haack
Reinhard Haack flog bis 1981 für die Flugbereitschaft der Bundeswehr in Köln/Bonn, die häufig von Politikern genutzt wird. Danach arbeitete er als Pilot der LTU. Seit er im Jahr 2000 mit 60 Jahren planmäßig pensioniert wurde, ist er freiberuflicher Lehrberechtigter mit Zulassung für die Airbus-Typen 318, 319, 320, 321, 330 und 340. Er arbeitet häufig in Zürich im Swiss Aviation-Center, aber auch in anderen Trainingszentren rund um die Welt.
Definieren Sie Risiko in einem Satz!
Es könnte mal was kaputtgehen.
Welches Risiko fürchten Sie am meisten?
Das gleichzeitige Auftreten mehrerer Fehler.
Welches Risiko wird am meisten überschätzt?
Beim Fliegen die technischen Störungen. Sie treten heute nur noch extrem selten auf.
Was war die gefährlichste Situation Ihres Lebens?
Ein Beinahezusammenstoß im Luftraum über Washington. Das ist aber rund 25 Jahre her.


