Drei Jahre nach seiner Freilassung ist der für mehrere Monate nach Afghanistan verschleppte Deutsche Khaled el Masri am Donnerstag wegen Verdachts auf Brandstiftung festgenommen worden. Dem 43-Jährigen wird vorgeworfen, in einem Großhandelsmarkt Metro in Neu-Ulm Feuer gelegt zu haben, wie die Polizeidirektion Krumbach mitteilte. Grund waren offenbar massive psychische Probleme, unter denen El Masri laut seinem Anwalt Manfred Gnjidic seit der Entführung leidet.
HB KRUMBACH. Der offenbar verwirrte El Masri wurde den Angaben zufolge festgenommen und per richterlichem Unterbringungsbefehl auf unbestimmte Zeit in die psychiatrische Abteilung eines Bezirkskrankenhauses eingewiesen. Dort wird er auf seine Schuldfähigkeit untersucht. Bei einer vorläufigen Begutachtung nach der Festnahme des 43-Jährigen am Donnerstag habe ein Experte erklärt, es komme eine eingeschränkte Schuldfähigkeit in Betracht, sagte der Memminger Oberstaatsanwalt Johann Kreuzpointner am Freitag.
Die Polizei erklärte, der genaue Tatablauf müsse noch geklärt werden, der Beschuldigte machte zunächst keine Angaben, auch nicht zum Motiv. Der aus dem Libanon stammende deutsche Staatsbürger war von Dezember 2003 bis Mai 2004 in der Hand von Entführern, die El Masri für einen Terrorverdächtigen hielten und ihn misshandelten. Vermutlich handelten sie im Auftrag des US-Geheimdiensts CIA.
El Masris Anwalt Manfred Gnjidic sprach von einer „Verzweiflungstat“. Sein Mandat sei „nervlich völlig zusammengebrochen“. Seit Ende der Entführung vor drei Jahren habe er sich vergeblich um eine Therapie bemüht, die Politik habe nicht auf die Hilfeersuchen reagiert. „Folteropfer muss man therapieren“, sagte Gnjidic. Doch niemand habe geholfen. Es sei zynisch, wenn sein Mandant jetzt auf Grund einer Straftat die ihm lange vorenthaltene Therapie erhalte.
Am Freitagmorgen räumte Gnjidic ein, dass El Masri bereits seit einem Jahr im Ulmer Behandlungszentrum für Folteropfer behandelt werde. „Diese Therapie ist aber unzureichend“, sagte der Anwalt.
Als Grund für die Tat nannte Gnjidic eine Auseinandersetzung zwischen El Masri und dem Metro-Markt, die dann eskaliert sei. Schon bei Nichtigkeiten explodiere El Masri. Presseberichten zufolge soll El-Masri mit Mitarbeitern des Marktes über die Rückgabe eines defekten iPods in Streit geraten sein. Er habe diesen zurückgeben wollen, die Mitarbeiter hätten dies aber abgelehnt.
Lesen Sie weiter auf Seite 2: Anwalt hatte die Politik gewarnt.
Erst vor zwei Wochen habe er Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im Fall seines Mandaten um Hilfe gebeten, sagte Gnjidic. „Er entgleitet jetzt“, habe er dabei gewarnt. Das Kanzleramt habe das Therapie-Ersuchen an die Bayerische Staatskanzlei weitergeleitet, die noch nicht reagiert habe.
Bei dem Brand in dem Großhandelsmarkt am frühen Donnerstagmorgen entstand den Angaben zufolge ein Schaden von 500 000 Euro. Das Feuer brach gegen 4.45 Uhr in der Borsigstraße in Neu-Ulm aus und konnte von der Feuerwehr schnell gelöscht werden. Ein Großteil der Schäden dürfte wegen Ruß und Löschwasser entstanden sein, teilte die Polizei mit. Der Verdächtige wurde nahe dem Tatort festgenommen. Nähere Auskünfte erteilte die Polizei zunächst nicht.
El Masri hatte durch seine Verschleppung nach Afghanistan durch den US-Geheimdienst CIA Schlagzeilen gemacht. Er war an der mazedonisch-serbischen Grenze festgenommen und Anfang 2004 nach Afghanistan entführt worden. Dort wurde er monatelang festgehalten und nach eigenen Angaben gefoltert. Anfang dieses Jahres erließ die Münchner Staatsanwaltschaft Haftbefehle gegen mehrere mutmaßliche CIA-Agenten. Die Verdächtigen sind international zur Fahndung ausgeschrieben. Mit dem Fall El Masri beschäftigte sich auch der BND-Untersuchungsausschuss des Bundestags.
Erst kurz vor dem Brand in Neu-Ulm war die Abhöraktion der bayerischen Justiz gegen den Anwalt El Masris für verfassungswidrig erklärt worden. Nach einem am Mittwoch veröffentlichten Beschluss des Bundesverfassungsgerichts verstieß die Überwachung gegen das Fernmeldegeheimnis (Az: 2 BvR 2151/06 - Beschluss vom 30. April 2007). Amts- und Landgericht München hatten 2006 angeordnet, Telefon, Fax und Handys der Kanzlei von Gnjidic zu überwachen - in der Hoffnung, dass die Entführer mit ihm Kontakt aufnehmen.


