Die Hälfte des Energieverbrauchs in den Metropolen verursachen Gebäude, erklärt der Geschäftsmann in bester Greenpeace-Manier. Ökologische Baumaterialien und energiesparende Technologie sind für ihn aber nur ein Teil der Lösung. „Die Energiefrage stellt sich viel früher, nämlich schon bei der Stadtplanung und beim Baukonzept.“
Mit solchen Visionen allein ist es jedoch in China nicht getan. Noch Ende der neunziger Jahre ordneten Pekings Stadtobere in typisch kommunistischer Verhaltensweise an, alle Bürogebäude sollten von nun an grau sein. Peking sei außerhalb des Kaiserpalastes nie bunt gewesen, so die historische Begründung. Zur Auswahl wurden, immerhin, 48 Grautöne geboten.
„Nicht mit mir“, dachte hingegen Pan, der kurz vor der Fertigstellung seines ersten großen Bauvorhabens in Peking, Soho New Town, stand. Die berühmten Terrakotta-Krieger seien im Original eine farbenfroh angemalte Armee, hielt er dagegen. Und so ließ Soho seinen neuen Bürokomplex im Herzen der Stadt strahlend weiß mit farbigen Flächen erstrahlen.
China sei viel frecher und bunter, sagt Pan heute augenzwinkernd: „Und meine ideale Gesellschaft ist die, in der jedes Individuum frei entscheiden kann.“ Bürogebäude als Symbol der Freiheit? „Wir versuchen, einfach Vielfalt nach Peking zu bringen“, sagt Pan Shiyi diplomatisch.
Weltoffen, kritisch, religiös – der Freidenker aus dem Ein-Parteien-Staat verkörpert für China einen völlig neuen Managertyp. Er habe seinen Aufstieg ohne Schmiergelder und ohne Parteibuch geschafft, versichert er: „Die einzige Organisation, der ich je angehört habe, waren in meiner Kindheit die Jungen Pioniere.“ Dafür muss er beste Beziehungen haben, denn die braucht man in Peking zum Grundstückskauf. Der Soho-Chairman ist auch keineswegs der ewig lächelnde Gutmensch. Als Chef fährt er einen harten Kurs: Jedes Jahr müssen die schwächsten zehn aus dem Verkaufsteam gehen. Und die Soho-Mitarbeiter sind eine echte Klassengesellschaft. Pan hat die Belegschaft in drei Kategorien unterteilt: Nur die A-Klasse bekommt zum Jahresende einen Bonus.
Im kapitalistisch-kommunistischen China kommt diese Mischung aus Lockerheit und Leistung sehr gut an. Pan Shiyi ist im Reich der Mitte inzwischen so berühmt wie ein Popstar. Er tritt regelmäßig in TV-Shows auf, schreibt eines der beliebtesten Online-Tagebücher, hat sogar in einem Spielfilm mitgewirkt.
Er sei ein perfekter Marketingstratege, beurteilen ihn Experten. Mit seinen Visionen, sagt etwa Francis Lun Sheung-nim von Fulbright Securities in Hongkong, schaffe er es, jedes Projekt „einmalig“ erscheinen zu lassen. „Soho hat sich einen klaren Vorsprung durch den Aufbau eines Markennamens geschaffen.“
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