Während die weißen Bürotürme von Peking Pan in der Volksrepublik berühmt machten, bekam Soho mit einem Projekt an der Großen Mauer weltweit höchste Weihen. Die von einem Dutzend asiatischer Architekten entworfenen Edelvillen der „Commune Great Wall“, heute Teil eines Hotels, wurden 2002 auf der Biennale in Venedig preisgekrönt.
Es war der Durchbruch: Plötzlich sprach die Welt nicht mehr über das alte China, sondern bestaunte das moderne, hippe Reich der Mitte. Das Viertel Jianwai Soho, nächstes Projekt von Pan in Peking, war bereits vor Fertigstellung im Jahr 2003 ausverkauft. Zu Höchstpreisen, versteht sich.
Nicht alle mögen jedoch die Mischung aus westlichem Design und asiatischem Lebensstil. „Zu modern, zu glatt“, befindet der Unternehmer Yun Li nach einem Besuch in Jianwai Soho. Er mag es lieber chinesisch – schwere Möbel, tiefe Sessel und goldener Schnörkel.
Für Soho-Gründer Pan ist das Vergangenheit. „Architektur muss mit Geist erfüllt sein, wenn sie Bestand haben soll“, sagt er. Und seinen Geist spürt man in der neuen Firmenzentrale im Pekinger Diplomatenviertel bereits am Empfang.
Fensterfassaden wie in einer Kathedrale, ringsum gläserne Konferenzzimmer und eine minimalistische Einrichtung mit skandinavischen Tönen. Zwischen Sitzecken, Tischtennisplatten und Skulpturen serviert eine junge Frau frischen Fruchtsaft, stilles Wasser oder grüner Tee.
Pekings Immobilienkönig ist bekennender Zen-Buddhist, raucht und trinkt nicht. Der Asket im feinen Zwirn, auf dessen hoher Stirn sich gern kleine Falten kräuseln, spricht lieber über Philosophie und Religion als über Börsenkurse und Quadratmeterpreise. Er sei auf der Suche „nach der Kraft, die über den Menschen steht“, sagt er.
Helles Licht strömt dabei durch die Fenster seines Büros. Es ist ein kühler Morgen. So wie damals, als die Novembersonne über den Hügeln von Gansu stand, sich der Zehnjährige mit seiner Schwester auf dem Rücken über die Berge quälte. „Heute kann sich niemand vorstellen, was für eine bittere Jugend ich hatte“, sagt der Milliardär. Seine Stimme kratzt.
Pan Shiyi wuchs während der Kulturrevolution im Nordwesten in einer der ärmsten Provinzen Chinas auf. „Ich wurde buchstäblich von schmutzigen Händen zur Welt gebracht“, sagt er in seinem Büroturm, in dem Frauen mit blauen Kitteln und Putzwedeln unentwegt für den perfekten Glanz sorgen.
Seine Familie sei die ärmste im Dorf gewesen. Neben Armut, Hunger und Schmutz ist ihm als schreckliche Erinnerung vor allem aber das „Leben so nah am Tod“ geblieben. Seine Klasse in der Dorfschule schrumpfte jedes Jahr, denn nach den Ferien kamen stets einige Schüler nicht mehr. „Dann wussten wir, sie waren verhungert.“
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