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29.04.2008 

Seine kleine Schwester, die er damals in den Schoß der Familie zurückholte, hat überlebt. Und die Aktion hat die Kinder zusammengeschweißt: Die Schwester arbeitet heute bei Soho in der Marketingabteilung.

Die Kindheit in Armut habe ihn für immer geprägt, sagt Pan. Sie habe ihn aber auch stark gemacht. Als China zaghaft mit seiner Reformpolitik begann, ging der 19-Jährige 1982 sofort in die ferne Hauptstadt, wo er am Beijing Petroleum Institute studierte und später im Ölministerium arbeitete.

Lang hielt er den Beamtenjob jedoch nicht aus. Chinas Aufbruchstimmung zog ihn 1987 in die neue Sonderwirtschaftszone Shenzhen und auf die Halbinsel Hainan, wo ihm der erste Erfolg als Immobilienentwickler gelang.

Der persönliche Wandel folgte jedoch 1991 beim ersten Besuch in Hongkong. „Mir tat sich eine andere Welt auf“, erinnert sich Pan noch ganz genau. Der damals 28-Jährige stand auf einer Brücke zwischen den Hochhausschluchten und bestaunte die Energie der Stadt. „In dieser Sekunde habe ich nicht mehr an Marx geglaubt, sondern erkannt, dass Kapitalismus etwas Gutes ist.“

In der Finanzmetropole Hongkong arbeitete damals auch die zwei Jahre jüngere Bankerin Zhang Xin. Sie war gerade von der Wall Street zurückgekehrt, wo sie lange als Bankerin für Goldman Sachs gearbeitet hatte. Als Pan Shiyi die energische Geschäftsfrau bei einem späteren Besuch in der Stadt kennenlernte, war er sofort wie elektrisiert. Vier Tage später machte er ihr einen Heiratsantrag, vier Monate später wurde Hochzeit gefeiert. „Ich mache immer alles ganz schnell“, grinst Pan.

Auch am Immobilienmarkt hat er die Trends immer früher erkannt als die Konkurrenz. Und so verbrachte das frisch vermählte Ehepaar seine Flitterwochen damit, das erste Soho-Projekt in der Hauptstadt zu planen. Harmonisch verlief der Start des gemeinsamen Unternehmens 1995 allerdings nicht. Nicht nur zwei Dickköpfe trafen aufeinander. „Das war schon ein Konflikt zwischen westlicher und östlicher Kultur“, ist Pan überzeugt.

Sie, mit westlicher Erziehung, Studium in Cambridge und Top-Karriere in New York, liebe Sitzungen, „wo alle stundenlang diskutieren dürfen“, lacht Manager Pan. „Eben so richtig schön amerikanisch demokratisch.“ Er dagegen, der Chinese vom Dorf und tief verwurzelt in der eigenen Kultur, war damals noch nie im Ausland gewesen und ein Selfmade-Aufsteiger. „Ich setze klare Ziele und sage den Leuten einfach, was sie zu tun haben“, sagt Pan Shiyi.

Es krachte so gewaltig hinter den Soho-Mauern, dass Ehefrau Xin die Koffer packte, um auszuziehen. Doch Liebe und Vernunft siegten. Man einigte sich auf eine Arbeitsteilung. „Sie entwickelt nun die Projekte, ich kümmere mich um das Marketing.“

Das scheint zu funktionieren. Pan Shiyi hat mit seinen Visionen China verändert, nicht nur äußerlich. China ist mit Soho heller, bunter und lebenswerter geworden. „Politiker werden kommen und gehen, aber meine Gebäude werden immer da sein“, sagt Pekings Immobilien-Tycoon optimistisch. Und es klingt so klar, offen und schnörkellos wie die Architektur seiner Gebäude.

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