0 Bewertungen
08.09.2006 
Rohstoffdiebe

Der Schrottklau geht um

von André Kühnlenz

Viele Metalle sind heute zwei- bis dreimal so teuer wie noch vor zwei Jahren. Die stark gestiegenen Rohstoffpreise treiben Diebesbanden um. Sie stehlen Gullydeckel, Kupferkabel und Gleisanlagen – Besuch auf einem Schrottplatz.

ROSTOCK. Das grüne Gitter neben dem Eingangstor haben die Diebe einfach abgeschraubt. Ein Auto passt nun gerade so durch. Bis hinter das Lagerhaus des Schrottplatzes sind die Männer dann den Weg entlanggefahren. Sie kletterten durch ein offenes Fenster und holten eine halbe Tonne Kupferkabel raus.

Es war nicht das erste Mal, dass Kriminelle beim Entsorgungsunternehmen Interseroh MAB in Rostock einbrachen. Metalldiebstahl ist angesagt, seit die Rohstoffpreise immerfort steigen. Viele Metalle sind heute zwei- bis dreimal so teuer wie noch vor zwei Jahren.

„Sie nehmen einfach alles mit“, erzählt Jürgen Schneider, Geschäftsführer von 12 Interseroh-Filialen und Schrottplätzen in Mecklenburg-Vorpommern. Besonders beliebt seien Kupfer und Aluminium. An die 15 Einbrüche im Jahr zählen Schneiders Mitarbeiter in den Zweigstellen von Interseroh allein entlang der Ostsee. Inzwischen ist die gesamte Branche betroffen. So wurde aus mehreren Windkraftanlagen Mecklenburg-Vorpommerns meterweise Kupferkabel gestohlen. Im brandenburgischen Lauchhammer verschwanden 160 Aluminiumfässer. In Hessen erwischte die Polizei einen LKW-Fahrer mit 13 Gullydeckeln auf der Ladefläche. Und aus einem Bremer Vorgarten stahlen Diebe zuletzt gar eine 400 Kilo schwere Schiffsschraube, die dort zu Dekorationszwecken abgelegt war.

Schrotthändler zahlen derzeit für 100 Kilo Kupfer zwischen 500 und 600 Euro. Bei Aluminium reicht die Spanne je nach Sorte von 100 bis 180 Euro. Der Preis für Messing bewegt sich zwischen 150 und 350 Euro.

Auch das lockt die Einbrecher: Täglich steigen die Barbestände bei Interseroh und der Konkurrenz. Einmal versuchten die Diebe vergeblich, den Tresor des Schrottplatzes am Hochseehafen, Schneiders zweiter Betriebsstätte in Rostock, gleich vollständig mitzunehmen. Sie wollten den Stahlschrank aus der ersten Etage werfen. Der Plan scheiterte, weil der Safe nicht durchs Fenster des Bürohauses passte.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Auf dem Schrottplatz herrscht Alltag

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterHandelsblatt Specials

zurück
  • Chronik 2008: Das Jahr der Turbulenze...

    Chronik 2008: Das Jahr der Turbulenzen

    Bankenpleiten, Börsentalfahrt, Rezession: Kaum ein Jahr hat die Welt der Wirtschaft so durcheinander gewirbelt wie 2008. Im kommenden Jahr müssen sich Manager und Politiker neu beweisen. Handelsblatt.com blickt in den Tagen bis zum Jahreswechsel zurück auf eine Zeit vo...Special 

  • Türkei – ein Land zwischen Aufbruch u...

    Türkei – ein Land zwischen Aufbruch und Rückschritt

    Die Türkei sprüht vor Dynamik. Neben Istanbul bilden sich auch in Anatolien neue Wirtschaftszentren. Im Land entsteht ein Mittelstand. Das bietet auch Chancen für deutsche Unternehmer und Investoren. Zugleich gestaltet sich der Weg nach Europa schwierig: Die Türkei ste...Special 

  • Agenda IT-Fitness

    Agenda IT-Fitness

    Ob Waldarbeiter, Bäcker oder Arzt – ohne IT läuft im Beruf kaum noch etwas. Doch die Informationstechnologie wandelt sich permanent, und Unternehmen wie Arbeitnehmer müssen sich auf diesen Wandel einstellen. Wie das gehen kann, zeigt die Agenda „IT-Fitness“.Special 

vor

 

 

Bildergalerien

zurück
  • Wo sich das Sponsorenkarussell dreht

    Wo sich das Sponsorenkarussell dreht

    Zum Saisonende laufen in der Fußball-Bundesliga zahlreiche Verträge von Vereinen mit ihren Hauptsponsoren oder Ausrüstern aus, weitere kommen 2010 hinzu. Insgesamt geht es um Vermarktungsgelder von rund 90 Millionen Euro – und das mitten in der Wirtschaftskrise. Das Ma...Bildergalerie 

  • Rechte und Pflichten bei Eis und Schn...

    Rechte und Pflichten bei Eis und Schnee

    Starke Schneefälle, Glatteis und Dauerfrost haben in den vergangenen Tagen vielen den Weg zur Arbeit erschwert, wenn nicht gar unmöglich gemacht.Handelsblatt.com erklärt, was Sie beachten sollten.Bildergalerie 

  • Neue Regeln für die Einreise in die U...

    Neue Regeln für die Einreise in die USA

    Ab dem 12. Januar müssen USA-Reisende ohne Visum vorab online einen Antrag beim US-Heimatschutzministerium stellen. Nur mit Genehmigung, die per E-Mail erteilt wird, darf der Geschäftsreisende oder Tourist dann ins Flugzeug steigen. Die letzte Entscheidung trifft aber ...Bildergalerie 

vor