„Wochenende?“ Wei Chaoyun muss so laut lachen, dass seine Augen nur noch kleine Striche sind. „Wenn der Monat 31 Tage hat, dann arbeiten wir 31 Tage.“ Nicht weniger als zehn Stunden pro Tag, versteht sich.
Viele Wanderarbeiter verausgaben sich dabei bis zur Erschöpfung. Der Dank ist ein Hungerlohn. Wei verdient 40 Yuan am Tag, das sind vier Euro. Stundenlohn: 40 Cent. Selbst in Peking ist das wenig. Doch für ihn sei das „richtig gutes Geld“, sagt Wei.
In seiner Heimat Henan, eine Provinz mit knapp 100 Millionen Einwohnern, leben vor allem Bauern. Auch Wei Chaoyun hatte sich dort Anfang der neunziger Jahre als Landwirt versucht. „Aber es ging nicht“, sagt er und schüttelt den Kopf. Die dürftige Ernte konnte seine Frau und die zwei Kinder nicht ernähren. So wurde er mit Anfang vierzig Wanderarbeiter – und Überlebenskünstler.
„Ich brauche höchstens 300 Yuan im Monat“, rechnet er vor. „800 Yuan gehen nach Hause.“ Natürlich sei er noch immer arm, aber seine Kinder, inzwischen erwachsen und in die Stadt gezogen, hätten die Schule besuchen können und nun ein besseres Leben. „Das zählt mehr als schöne Kleidung“, sagt Wei Chaoyun.
Der Traum vom kleinen Glück, von einem kleinen Mehr, lässt Wanderarbeiter wie Wei Chaoyun seit Jahrzehnten die Knochenarbeit für Chinas Aufschwung erledigen. Ein williges Heer von 150 Millionen entwurzelten Männern und Frauen schuftet in der Volksrepublik – in den Fabriken im Hinterland von Kanton, als Hausangestellte in Schanghai, auf Baustellen in Chongqing oder Chengdu.
Laut einer Studie der Akademie für Sozialwissenschaften arbeitet jeder vierte Wanderarbeiter auf einer Großbaustelle. Fünf Prozent seines Wirtschaftswachstums verdankt China den rechtlosen „Bürgern auf Zeit“.
Allein in Peking mit seinen 17 Millionen Einwohnern putzen fünf Millionen Wanderarbeiter die Stadt für die Olympischen Spiele heraus. In der Zwölf-Millionen-Stadt Shenzhen sind gar über zehn Millionen Bewohner zugereiste Wanderarbeiter.
Und der Strom der Tagelöhner, die aus den ländlichen Gebieten Chinas fliehen, reißt nicht ab. Schon 2015 soll es 300 Millionen Wanderarbeiter in der Volksrepublik geben.
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