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21.04.2008 

Das birgt sozialen Sprengstoff. Da die Wanderarbeiter nur auf Zeit geduldet sind, bleiben sie meist ohne städtische Wohnerlaubnis, das sogenannte „Hukou“. Mao führte das „Haushalts-Registrierungs-System“ 1958 ein, um die Landflucht zu verhindern. Wer als Bauer geboren wurde, musste auch als Bauer arbeiten – lebenslang. Und weil sich die Bauern im ländlichen Kollektiv in den Augen der Kommunisten zudem selbst versorgen können, wurden sie von Kranken- oder Rentenversicherung ausgeschlossen.

Nach den Wirtschaftsreformen unter Deng Xiaoping ab 1978 wurde das strikte System zwar gelockert und die durch das Hukou beschränkte Mobilität vergrößert. „Bäuerliche Arbeitskräfte“ dürfen nun zeitweise in Städten leben, was eine gewaltige Völkerwanderung vor allem in die Küstenregionen im Osten und Süden – Chinas „Speckgürtel“ – zur Folge hat.

An der Diskriminierung der Landbevölkerung hat das jedoch nur wenig geändert. Nicht nur zwischen Stadt und Land wächst die Einkommenskluft nun, sondern auch innerhalb der Metropolen. Die Wanderarbeiter bleiben „ausgeschlossen von vielen Vergünstigungen, die Städter jedoch erhalten“, schreibt etwa Amnesty International.

Pause machen. Wei Chaoyun sitzt in „Cindy's Cafe“ unweit von der Olympia-Baustelle. „Manchmal sind wir schon wütend auf die Reichen, die hier mit dicken Autos rumkurven“, sagt er. „Aber ich habe nun mal keine besonderen Fähigkeiten.“

Normalerweise würde er sich niemals trauen, ein solches Café zu besuchen, wo sich die neue Mittelschicht trifft. Hier schlürft man vor dem Laptop einen Cappuccino, ein Schild über dem Eingang verspricht „westliches Essen“. Wei Chaoyun hat seinen Helm neben sich auf die Sitzbank gelegt und starrt auf die Getränkekarte. „Hey, 35 Yuan für eine Tasse Kaffee, das ist doch wohl nicht richtig?“ Er lacht unsicher. Hier ist seine Arbeit von zehn Stunden nicht mehr wert als ein paar Schluck Kaffeegenuss.

Die enormen Einkommensunterschiede aber sind eine der größten Herausforderungen für China. Alle Anstrengungen der kommunistischen Regierung, diese Kluft abzubauen, sind bislang fehlgeschlagen. Das Durchschnittseinkommen der Landbevölkerung ist sogar auf weniger als ein Viertel desjenigen der Städter gefallen.

Das Leben auf dem Land war für Chinesen schon immer hart, sagt Wei. „Wenn ich über meine Kindheit spreche, muss ich weinen.“ Als er 1953 in der jungen Volksrepublik geboren wird, ist er nicht willkommen: Der Säugling wird auf einem Feldweg ausgesetzt. Die Familie, die ihn aufnimmt, kann die sieben Kinder kaum ernähren.

Lesen Sie weiter auf Seite 4: Vor der Schule Tierdung sammeln

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