Während der Kulturrevolution, die 1966 begann, muss der Junge morgens vor der Schule im Dorf den Tierdung sammeln, dafür gibt es Punkte im Kollektiv: „Sonst bekamen wir kein Feld zugewiesen.“ Später träumt Wei davon, Soldat zu werden. Doch er wird ausgemustert. Als er 18 ist, schickt ihn das Kollektiv in die lokale Düngemittelfabrik, wo er fast 20 Jahre arbeitet – bis die Firma 1989 pleitegeht.
Trotzt der „verlorenen Jahre“, wie selbst Chinesen heute das Jahrzehnt der Kulturrevolution nennen, ist der Mann mit der braun gegerbten Bauernhaut treuer Mao-Anhänger geblieben. „Ich habe ihn sehr verehrt und alle seine Befehle befolgt“, sagt Wei Chaoyun und reckt sich auf der Café-Bank in die Höhe. „Das würde ich auch heute wieder tun.“ Für Olympia würde er sogar ohne Lohn arbeiten: „Auch im modernen China muss jeder seinen Beitrag für die Nation leisten.“
In Wei Chaoyun ist der Kollektivgeist noch immer nicht erloschen. Die Brigaden der Wanderarbeiter bauen Chinas Städte und halten zugleich Chinas Dörfer am Leben. Damit sie den größten Teil ihres Lohns nach Hause schicken können, hausen Chinas Tagelöhner weit draußen vor den Städten in einfachen Hütten oder schmuddeligen Gemeinschaftsunterkünften.
Wei Chaoyun hat es ein wenig besser. Auf den Olympia-Baustellen stehen ordentliche blau-weiße Wohnbaracken. Toiletten und einen Wasserhahn gibt es draußen vor der Tür, in den engen Zimmern schlafen acht Arbeiter in Etagenbetten.
Bauarbeiter Wei ist dennoch zufrieden. „In meinem Zimmer kennen wir uns gut, wir sind ja alle aus einem Dorf.“ Das ist keine Seltenheit: Oft vermittelt einer seinen ganzen Freundeskreis an Schlepper in der Stadt.
Der Trupp von Wei Chaoyun kam vor einem Jahr in den Norden Pekings – und zwar ganz bewusst. Die Bedingungen auf den Olympia-Baustellen seien besser, sagt Wei Chaoyun ein wenig verschmitzt, „und hier bekommt man auch seinen Lohn“.
Das ist für Chinas Wanderarbeiter längst nicht selbstverständlich. Immer wieder berichten Medien von Baufirmen, die nicht bezahlen. Selbst Staatsbetriebe bleiben den Lohn schuldig. Wei hat das früher selbst erlebt. „Aber was sollen wir machen?“
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