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26.12.2007 
Ursachen der Finanzmarktkrise

Des Kaisers neue Kleider

von Nicole Bastian

Zwei kleine deutsche Banken hätten in diesem Jahr nicht besser zeigen können, woran das globale Finanzsystem krankt. Mit undurchsichtigen Investmentvehikeln begaben sich IKB und SachsenLB auf die Suche nach mehr Rendite - und verloren dabei den Blick für das Risiko. Ein Blick auf die Ursachen der Finanzmarktkrise.

Die IKB ist nur knapp an der Insolvenz vorbeigeschrammt. Foto: dpaLupe

Die IKB ist nur knapp an der Insolvenz vorbeigeschrammt. Foto: dpa

FRANKFURT. Es lebte einmal ein Kaiser, der ließ sich für viel Handgeld ungewöhnlich schöne Kleider weben. Die wunderbarste Eigenschaft der Gewänder: Nur schlaue Menschen konnten sie sehen - sagten zumindest die Weber. Und so lobten alle, die Minister wie die Bürger, das Kleid, was sie eigentlich nicht sahen. Erst als ein kleines Kind rief "Aber der Kaiser hat ja gar nichts an" - da ging der Ruf auf einmal durch das ganze Volk.

Hans Christian Andersens Märchen illustriert, was im Finanzjahr 2007 passiert ist. Das Jahr, in dem sich so manches komplex gewebte Gewand als Trug erweist und die beiden deutschen Banken IKB und SachsenLB in trauriger Klarheit verdeutlichen, woran das gesamte globale Finanzsystem krankt. Denn auch die beiden Kreditinstitute hatten sich Gewänder weben lassen, die jahrelang entweder bewundert oder nicht zur Kenntnis genommen wurden. Conduits und Structured Investment Vehicles (SIVs) heißen diese Gewänder in der Branche - und nicht nur IKB und SachsenLB trugen sie.

Es sind Investitionsvehikel, die sich kurzfristige Gelder von Investoren holen und diese in länger laufende Wertpapiere investieren, die etwas mehr Rendite abwerfen. Der Clou: Das bringt den Banken Gewinn, obwohl die hochkomplexen Konstrukte ihnen rein juristisch gar nicht gehören.

Gewebt werden solche Gewänder schon seit Jahren von Investmentbanken und internationalen Kanzleien. "Maßgeschneidert", sagt ein Bankenvorstand heute spöttisch. Ein jedes mit vielen Fußnoten auf Hunderten von Seiten, die eigentlich niemand mehr überblickt. Die Investoren nicht, die Banken nicht, die Regulatoren nicht. Aber alle machen mit.

Die Investoren machen mit, weil sie in Tiefzinszeiten nach einigermaßen renditeträchtigen Anlagen suchen. "Sie waren so gierig, dass sie keine Risiken mehr sahen", beschreibt Kreditanalyst Philip Gisdakis von Unicredit die Stimmung. Fast blind vertrauen sie den Bestnoten der Ratingagenturen auf Wertpapiere, die über Verbriefungen auf einem Mix an Wertpapieren basieren, die sich wiederum aus den unterschiedlichsten Krediten ableiten. "Risiken wurden verpackt und verpackt und wieder verpackt", beschreibt Giskakis. Am Ende habe es keine wirklich nachvollziehbare Verbindung mehr gegeben zwischen dem zugrundeliegenden Risiko auf der einen Seite und dem Investmentprodukt auf der anderen Seite.

Nur durch diese Undurchsichtigkeit ist es möglich, analysiert auch Jan P. Krahnen vom Zentrum für Finanzstudien in Frankfurt, dass ein eigentlich begrenztes Problem wie höhere Ausfälle bei US-Hypothekenkrediten minderer Bonität den Billionenmarkt für Schuldverschreibungen weltweit lahmlegen konnte.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Wenn sich die Banken gegenseitig nicht mehr trauen.

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