Coolness erscheint als Lebenshaltung einer (über)reifen Kultur, die so viel hinter sich hat (oder schon im Kino gesehen hat), dass sie nichts mehr aufregt. Es ist eine Rentner-Philosophie von 25-Jährigen. Grünewalds 94er-Jugend kommt Friedrich Nietzsches „letzten Menschen“ nah, die „das Glück erfunden“ haben und „blinzeln“: „Man ist klug und weiß alles, was geschehn ist: so hat man kein Ende zu spotten ... Es ist Eis in ihrem Lachen“ (Also sprach Zarathustra, 1883-1885). Damals war das noch eine schreckliche Zukunftsvision: Allzu cool sind auch die „Eloi“ in H. G. Wells' fantastischem Roman „Die Zeitmaschine“ (1895), die sich nicht aus der Ruhe bringen lassen, wenn ihre Artgenossen von den „Morlocks“ aufgefressen werden.
Großes haben Coole kaum geschaffen. Wenn man von Film- und Rockmusikgrößen absieht, sind die meisten Menschen, deren Taten die Welt bewegten und bewegen, vergleichsweise uncool. Wäre Kolumbus cool gewesen, hätte vermutlich ein anderer den Weg nach Amerika finden müssen.
Zeichnete man heute eine Weltkarte der Coolness, deren Hauptstädte nach Ansicht des Anthropogeographen Paul Walley New York, London, Paris und Tokyo sind, so wäre der gesamte muslimische Kulturkreis weitgehend eine Wüste. Der missionarische Eifer einer Offenbarungsreligion erlaubt keine lässige Distanz zur Umwelt. Das zornige Skandieren und wilde in die Luft Geballere bei Demonstrationen, das aufgeregte Zerren an den Leichen bei Beerdigungen von „Märtyrern“. Solche hitzigen Aufgeregtheiten sind der leidenschaftsentwöhnten Gesellschaft des Westens fremd geworden.
Die Vokabel „cool“ gehört zwar auch zum Wortschatz türkischer oder arabischer Jugendlicher in deutschen Städten. Doch mit der abgeklärten Gleichgültigkeit ihrer deutschen Nachbarn haben sie nicht viel gemein. Die gereizt-provozierende Frage „Was guckst du?“ ist als Kennzeichen junger muslimischer Einwanderer so eindeutig, dass Pro Sieben danach sogar eine Comedy-Sendung benennt.
Grünewald erkennt diesen Gegensatz auch in dem kontroversen Fernsehfilm „Wut“, der vor einem Jahr die Nation bewegte: Der junge türkische Gewalttäter provoziert den allzu toleranten deutschen Vater des von ihm malträtierten Jungen, seine überlegene Coolness aufzugeben. „Du hast keinen Respekt!“, wirft der Türke ihm vor. „Respekt“ steht bei ihm für all das, was ein Mann von seiner Umwelt fordert auch mit den Fäusten. Dass der deutschen Mehrheitsgesellschaft solche Coolness-Defizite bei jungen Männern höchst suspekt sind, beweisen die zahlreichen Angebote von „Coolness-Trainings“ zur Gewaltverhinderung (etwa 20 000 Einträge bei google).


