Derzeit arbeiten die Studios wie Disney, Warner Bros. oder Universal mit der Autorengewerkschaft WGA unter Hochdruck an einem Kompromiss. Bei einem Autorentreffen am Samstag in Los Angeles kam das Verhandlungsergebnis mit den Studios gut an. „Im Moment habe ich das klare Gefühl, dass der Vorschlag durchgeht“, sagt WGA-Präsident Michael Winship. Sollte er recht behalten, könnte der Streik dann am Mittwoch ad acta gelegt werden.
Der Konflikt in Hollywood hat Folgen. „Der Streik hinterlässt auf der Berlinale seine Spuren. Auf der Messe European Film Market fehlen zumindest bis jetzt interessante neue Filme“, klagt Kogel. Die Filmmesse im reizvollen Martin-Gropius-Bau, nur ein paar Schritte vom Berlinale-Palast am Potsdamer Platz entfernt, hat sich hinter Cannes und Los Angeles als Marktplatz fest etabliert. Diesmal kommen 431 Firmen aus 51 Ländern in die Hauptstadt, um mehr als 700 Filme zu verkaufen – eine Rekordbeteiligung.
Doch diese Zahlen täuschen. Nach Meinung von Marktteilnehmern fehlen die marktfähigen Filme aus den USA, denn Hollywood hat derzeit Probleme. „Die große programmkreative Industrie in Hollywood kocht nur mit Wasser. Schon im vergangenen Jahr wurde beispielsweise auf der Filmmesse L.A. Screenings deutlich, dass es auch dort nur selten gelingt, neue exportfähige Serien zu produzieren“, sagt Wolf Bauer, Chef des Filmkonzerns Ufa. Auch die Chefin des European Film Market Beki Probst ist skeptisch. „Wir sehen weltweit eine Kreativitätskrise des Films. In Hollywood gibt es nur noch Fortsetzungen wie Spiderman oder Remakes wie Ocean’s Eleven. Es braucht aber nicht immer einen bombastischen Aufwand, um einen erfolgreichen Film für das Publikum zu machen.“
Den Beweis, dass auch preiswerte Filme weltweite Kassenknüller werden können, ist die Berlinale bislang schuldig geblieben. Denn nach dem glamourösen Auftakt mit den Rolling Stones ist am Wochenende Nüchternheit eingekehrt. Die Wettbewerbsfilme des Festivals riefen durchweg zweispältige Reaktionen hervor. Die meisten werden ohnehin keinen Verleih finden, sondern wieder in irgendwelchen Rechtebibliotheken verschwinden.


