Während Jungen eine verpatzte Klassenarbeit als Pech werten und sich unbeirrt dem nächsten Thema zuwenden, sehen ihre Mitschülerinnen im Versagen eine Bestätigung ihrer Unfähigkeit. Dabei unterschätzen sich die Mädchen in den als männlich wahrgenommenen Fächern systematisch, wie durch Untersuchungen wie Pisa und Timss nachgewiesen wurde. Jungen hingegen tendierten zur Selbstüberschätzung. Mädchen fehle es an ausreichend vielen positiven Vorbildern, die ihnen zeigen, dass man auch als Naturwissenschaftlerin oder Mathematikerin ganz Frau sein kann, sagt Jahnke-Klein. „Untersuchungen zeigen, dass eine Frau besonders dann als Modell wirksam ist, wenn sie neben mathematisch-naturwissenschaftlicher Kompetenz auch einen attraktiven Partner vorweisen kann."
Lebendige Geschichten über berühmte Mathematikerinnen könnten nach Ansicht der Didaktikerin Schülerinnen überzeugen – etwa das Beispiel der 1776 in Paris geborenen Sophie Germain, die gegen den Widerstand ihrer Eltern heimlich Mathematik studierte und unter männlichem Pseudonym veröffentlichte. Eine gründliche Reform des Unterrichts könne Mädchen zu mehr Spaß an Mathe verhelfen.
Auch begabte Schülerinnen wünschten sich, bei kniffligen Fragen so lange fragen zu können, bis sie „wirklich und richtig“ verstanden hätten. Gruppenarbeit und plastische Experimente kommen nach bisherigen Erkenntnissen ebenfalls den Lernstrategien der Mädchen entgegen. Immer wieder heftig diskutiert wird die Option des getrennten Unterrichts. Viele erfolgreiche Mathematikerinnen hätten in ihrer Jugend Mädchenschulen besucht, sagt Jahnke-Klein. Der gemischte Unterricht hingegen verleite dazu, die Naturwissenschaften den „dafür zuständigen“ Jungen zu überlassen.
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