Verglichen mit den Naturwissenschaften, hat Mathematik bei jungen Frauen noch einen guten Stand: 2006 wählten 63 Prozent der Mädchen Mathe als Abiturfach, Fächer wie Physik und Chemie dümpeln seit 20 Jahren bei einem Anteil zwischen vier und zehn Prozent. Auch an der Universität sind Frauen zumindest in den ersten Semestern in der Mathematik keinesfalls unterrepräsentiert: Nach Angaben des IT-Branchenverbands Bitkom waren in dem Fach im Jahr 2006 mehr als die Hälfte der Studienanfänger Frauen. Ein großer Teil von ihnen studiert allerdings auf Lehramt – nach offiziellen Statistiken derzeit mehr als 60 Prozent.
Zu höheren akademischen Weihen bringen es auch in der Mathematik bisher nur wenige Frauen, sagt Andrea Blunck, die an der Universität Hamburg die Professur „Mathematik und Gender Studies“ innehat. Ende 2005 lehrten nach einer Statistik der Deutschen Mathematiker-Vereinigung 105 Frauen auf Professuren oder Juniorprofessuren, ein Anteil von knapp zehn Prozent. Wie auch in anderen Fächern ist die zeitintensive Tätigkeit im akademischen Umfeld mit Kindern und Familie in Deutschland weiter schwer zu vereinbaren – wer wegen einer Babypause zu lange nicht publiziert, verliert den Anschluss.
Selbst diplomierten Mathematikerinnen mache mangelndes Selbstvertrauen oft zu schaffen, sagt Blunck. Eine Doktorarbeit zu schreiben erscheine Studentinnen eher als ihren männlichen Kommilitonen als „unwägbares Risiko“. Dass Frauen für die abstrakte Wissenschaft schlechter geeignet sind, glaubt die Mathematikerin nicht – auch wenn die extrem kondensierte Fachsprache sicherlich „männlich geprägt“ sei. Die große Zahl von Förderprogrammen und Stipendien für Absolventinnen habe bislang keinen Frauenboom in der mathematischen Forschung eingeläutet: „Es gibt einfach immer noch zu wenige Bewerberinnen.“


