Ob Schneechaos, Zugunglück oder Erdbeben – China setzt bei Katastrophen vor allem auf seine Soldaten. Doch die Volksbefreiungsarmee hat keine Bergjäger oder spezielle Rettungseinheiten. Auch Mu’s Trupp besteht aus gewöhnlichen Soldaten. „Wir sind kein spezielles Rettungsteam“, sagt der Einsatzleiter, ein Leutnant, im nahen Basislager ganz offen.
Rund 1000 Soldaten haben hier in Windeseile ein Zeltdorf errichtet, versorgen bereits Hunderte von Obdachlosen. „Wir bekommen Wasser und Kekse, werden ganz gut versorgt“, sagt Wu Jia Zhen. Sie übernachtet mit ihrem Enkelsohn und einigen Bewohnern ihres Dorfes Qin Ling in einem der Planenzelte. „Wir können nie wieder zurück“, sagt die Gruppe, „unser Dorf ist für immer ausgelöscht.“ Sie hätten nur überlebt, weil sie zum Zeitpunkt des Bebens auf dem Feld waren.
Bild für Bild: Wie China mit der Katastrophe umgeht
Nebenan bekommen in einem Feldlazarett die Verletzten zumindest eine Erstversorgung. Doch die schweren Fälle müssen in die nächste Stadt, nach Mianyang, gebracht werden. Bislang sind aber noch keine Krankenwagen hinauf in die Berge gekommen, werden die Schwerverletzten mit Privatautos, Bussen und Lastwagen ins Tal gebracht. Obwohl die Regierung anders als bei früheren Katastrophen sehr schnell reagiert hat, zeigt das schwerste Erdbeben seit Jahrzehnten auch, dass der chinesischen Armee in der Rolle als Retter Grenzen gesetzt sind.
Und das chinesische Rote Kreuz ist in vielen zerstörten Tälern überhaupt nicht zu sehen, weder mit Suchhunden noch mit Ärzten und Sanitätern. Zwar war die Hilfsorganisation mit dem ersten Ärzteam in Beichuan vor Ort, wurden von Chengdu sofort Hunderte von freiwilligen Helfern in die Region geschickt. „Doch an den Rettungsarbeiten sind wir direkt nicht beteiligt“, sagt Francis Markus, Sprecher des Internationalen Roten Kreuzes in China. Aufgabe der Organisation sei eher, mobile OP-Zelte und Flüchtlingslager zu errichten sowie die internationalen Spenden zu koordinieren.
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