Inzwischen sind russische Transportflugzeuge mit Hilfsgütern in Chengdu gelandet. Es war die erste internationale Hilfe, die in der Unglücksregion eingetroffen ist. Und am Donnerstag stimmte China zu, dass Japan professionelle Hilfstrupps in die Krisenregion schicken kann. Japan gilt als eines der erfahrensten Beben-Länder der Welt.
Denn schon droht neue Gefahr in Sichuan. Oberhalb der Stadt Beichuan staut sich Wasser nach einem Erdrutsch zu einem See, wird eine Flutwelle befürchtet. „Wenn die Blockade im Fluss bricht, wird eine Flutwelle die Stadt überschwemmen“, warnt ein Experte in chinesischen Medien.
Der zuständige Minister sagte am Donnerstag in Peking, viele der Wasserreservoirs in der Provinz wiesen „bislang unbekannte, erhebliche Schäden“ durch das Erdbeben auf. In Sichuan gibt es viele Staudämme, in einigen Landkreisen wurden bereits Evakuierungen angeordnet. Der Drei-Schluchten-Damm, 1000 Kilometer vom Epizentrum entfernt, soll nach offiziellen Angaben keine Risse haben.
Bilder aus Chen Jia Ba: Eine Reise ins Tal des Todes
Am Donnerstag wurden erstmal 2000 Soldaten zum Zipingpu-Damm nahe der Stadt Dujiangyan gesandt, berichteten Medien. Auch hier sollen Männer wie Soldat Mu helfen. Dessen Trupp hatte in den verschütteten Bergdörfern auch gestern Vormittag noch keine Notstromaggregate oder schweres Gerät zur Bergung.
Mit bloßen Händen wühlen die Soldaten in den Schutthaufen, müssen immer wieder aufgeben, weil sie die verkeilten Betonteile einfach nicht bewegen können. In einigen Gebieten der Krisenregion wird erster Unmut laut, dass sich die Retter zu stark auf das Epizentrum um Wenchuan konzentrieren. Dort sind inzwischen rund 100 Hubschrauber im Einsatz.
Doch noch immer gibt es Gebiete, in die bislang keine Helfer vorgedrungen sind – nicht einmal Soldaten. Die Verletzten dort brauchen dringend ärztliche Hilfe und Medikamente. Und der Mensch kann nach einer medizinischen Faustregel, so Experten, nur drei Tage ohne Wasser auskommen. Die Hoffnung, dass Soldat Mu noch Lebende aus den Trümmern holen kann, schwindet mit jeder Stunde. Und damit auch die Chance, Chinas Armee weiter als strahlende Retter in den Medien zu feiern.

