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03.04.2006 
Exklusiv

Dinieren wie unter Präsidenten

Ein Dinner nach exklusiven White-House-Rezepten, von einem waschechten Präsidentenkoch persönlich angerichtet - das ist möglich in Washington. Walter Scheib (52), der elf Jahre lang zunächst die Clintons und dann die Bushs bekochte, gibt sich für rund 250 bis 300 Dollar (206 bis 248 Euro) pro Kopf gerne die Ehre.

HB WASHINGTON. Ein Dinner nach exklusiven White-House-Rezepten, von einem waschechten Präsidentenkoch persönlich angerichtet ist eine reine Frage des Geldes, keine politische. Und zum Dessert werden auch noch Anekdoten aus der Machtzentrale serviert.

Walter Scheib (52), der elf Jahre lang zunächst die Clintons und dann die Bushs bekochte, gibt sich für rund 250 bis 300 Dollar (206 bis 248 Euro) pro Kopf gerne die Ehre. Dazu kommt noch das Essen und der Wein. „Es ist nicht billig“, räumt Scheib ein. Dafür bekommen seine Gäste aber auch das Gefühl von Präsidentennähe aufgetischt. Scheib plaudert gerne aus dem Nähkästchen. Dann verzieht er den Mundwinkel und imitiert die Redeart von Bush. „Cookie, what's cooking?“, fragte der mächtigste Mann der Welt etwa, wenn er nach einer Fitness-Stunde mittags verschwitzt vorbei kam und in die Töpfe schaute. „Cookie“, eine Verballhornung des Wortes Koch, das gleichzeitig „Plätzchen“ bedeutet, war Bushs Spitzname für Scheib. Dass George W. Bush nicht gerade zu den erlesensten Feinschmeckern gehört, ist längst bekannt. Deftig mag er es, sagt Scheib, wie einst sein Vorgänger im Amt, Bill Clinton, der erst seit seiner Bypass- Operation das Hohelied auf Gemüse und Salate singt. Laura Bush stehe dagegen voll auf Bio-Kost. Wenn Scheib bei Bushs Küchenbesuchen dann auf das raffinierte Rohkost-Menu verwies, dass Laura nebenan mit Freundinnen verspeiste, machte der Präsident meist auf dem Absatz kehrt.

„Burger oder Sandwich bitte“, bestellte er dann. Wenn Laura Bush auf Reisen war, kam umgehend aus den Privatgemächern des Präsidenten die Order, den Speiseplan umzustellen. „Dann gab es Chili und Nachos, nicht Lachs auf Rucola“, sagt Scheib schmunzelnd. Diese und andere Geschichten erzählt Scheib bei seinen kulinarischen White-House-Abenden, die er für größere Runden in Hotels oder auch in intimem Kreis in der Küche des Kunden ausrichtet. Er kochte zum Beispiel in New York für eine Bankergesellschaft mit Dutzenden Gästen oder für einen Unternehmer in Washington, der einen Feinschmecker-Freundeskreis beeindrucken wollte. Und dann waren da noch die drei Töchter auf Rhode Island, die ihre Mutter zum 80. Geburtstag von einem echten Präsidentenkoch bekochen ließen. Wenn Scheib servieren lässt und bei jedem Gang erzählt, für welchen Anlass er im Weißen Haus ursprünglich kreiert wurde, meinen die Gäste, ein bisschen Luft direkt aus der Machtzentrale zu schnuppern. „Büffelsteaks wie für den Präsidenten von Mexiko“ tischt Scheib etwa auf oder „Chelsea Clintons Lieblings-Dessert mit Himbeeren“.

Ein schlechtes Wort oder einen Seitenhieb auf die Gewohnheiten der Herrschaften im Weißen Haus kommen nicht über Scheibs Lippen. „Es ist wie ein Ehrenkodex, man bekommt als Hausangestellter viele Dinge mit, über die man nie redet.“ Er habe hunderte Angebote ausgeschlagen, über die beiden Präsidentenfamilien auszupacken. Auch über das abrupte Ende seiner Karriere im Weißen Haus Anfang des vergangenen Jahrs verliert Scheib kein negatives Wort. Gerüchteweise heißt es, Laura Bush seien die vielen Jakobsmuscheln auf den Geist gegangen. Alles Quatsch, sagt Scheib. Laura Bush habe der Küche einfach ihren eigenen Stempel aufdrücken wollen. Er gelte eben als Hillary Clintons Koch, weil sie ihn 1994 ins Weiße Haus holte.

Laura Bush entschied sich schließlich, die erste Frau auf den Posten zu heben: Cristeta Comerford (43). „Ich betrachte das als Kompliment, weil ich Cristeta selbst eingestellt hatte“, sagt Scheib. Die gebürtige Philippinerin war jahrelang seine Assistentin.

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