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01.01.2006 
Großbritannien

Dokumente enthüllen geheime Churchill-Pläne

Nach 60 Jahren enthüllt Großbritannien Neues über den ehemaligen Premierminister Winston Churchill: Aus erst jetzt veröffentlichten Mitschriften von Beratungen des damaligen Kriegskabinetts geht hervor, welches Ende Churchill für Adolf Hitler plante. Auch über Stalin und Gandhi hatte er offenbar seine ganz eigenen Ansichten.

Der britische Premierminister Winston Churchill im Kriegsjahr 1943: 'Hitler auf elektrischem Stuhl hinrichten'. Foto: dpa Lupe

Der britische Premierminister Winston Churchill im Kriegsjahr 1943: 'Hitler auf elektrischem Stuhl hinrichten'. Foto: dpa

HB LONDON. Winston Churchill war nach Berichten britischer Historiker fest entschlossen, Adolf Hitler auf einem elektrischen Stuhl aus den USA hinrichten zu lassen. Zudem sollten nach Überzeugung des britischen Premierministers hohe Nazis ohne Gerichtsverfahren erschossen werden. Das geht aus Mitschriften von Beratungen des damaligen Kriegskabinetts unter Leitung Churchills hervor, die am Neujahrstag in London erstmals zur Veröffentlichung frei gegeben wurden.

Allerdings wurde der kämpferische Britenpremier in den Diskussionen über den Umgang mit der Nazi-Kriegsverbrechern, die zwischen 1942 und 1945 stattfanden, durch Mitglieder seines eigenen Kabinetts von solchen Vorstellungen abgebracht. Die Aufzeichnungen, die britische Historiker und Medien jetzt dank der Freigabe der Dokumente auswerten dürfen, stammen von Churchills damaligem Sekretär Sir Norman Brook.

Danach sagte Churchill unter anderem bei einem Treffen im Dezember 1942, Hitler müsse „natürlich“ getötet werden, sollte er den Briten in die Hände fallen. „Dieser Mann ist die treibende Kraft des Bösen.“ Zur Tötung empfahl Churchill „den elektrischen Stuhl für Gangster“. Die Ausrüstung sollte aus den USA besorgt werden, da diese Hinrichtungsmethode in Großbritannien bis dahin noch nicht angewendet worden war.

Zweieinhalb Jahre später wurde in Churchills Kriegskabinett erneut über den Umgang mit Nazi-Führern nach dem Ende des Krieges diskutiert. Churchill stimmte den Aufzeichnungen zufolge seinem Innenministers Herbert Morrison zu, dass ein Prozess gegen Hitler und dessen engste Mitarbeiter „eine Farce“ werden könnte. „Es ergeben sich alle möglichen Komplikationen, sobald man einen faires Verfahren zugesteht“, wurde er zitiert.

Gandhi im Gefängnis behalten und sterben lassen

Kurz darauf sei Churchill jedoch übermittelt worden, dass die USA und Russland nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ordentliche Gerichtsverfahren gegen die deutschen Kriegsverbrecher wünschten. Hitler und andere Nazi-Größen entzogen sich den späteren Nürnberger Prozessen durch Selbstmord.

Auch über Churchills Einschätzung seiner Mit-Alliierten finden sich in den Dokumenten neue Einzelheiten: Der Premier hat in Kriegszeiten den Sowjetherrscher Josef Stalin als "scharfsichtig" eingeschätzt, während ihm der französische General und spätere Staatschef Charles de Gaulle zu selbstbewusst vorkam. Nach einem Treffen mit Stalin in Moskau, sprach Churchill im britischen Kabinett im August 1942 von einem "großen Mann", der mit "großer Weitsicht" seine Entscheidungen treffe. Nach dem Krieg freilich änderte Churchill seine Meinung bekanntlich. "Wir haben das falsche Schwein geschlachtet", lautet eines der bekanntesten Churchill-Zitate in Bezug auf Hitler und Stalin.

Die Dokumente werfen auch neues Licht auf die Einstellung Churchills zum indischen Freiheitskämpfer Mahatma Gandhi. Dieser war nach seiner Inhaftierung im August 1942 in den Hungerstreik getreten. Die britische Regierung beschloss schließlich, ihm aus humanitären Gründen die Freiheit zu schenken. Churchill soll jedoch argumentiert haben, er persönlich würde Gandhi im Gefängnis behalten und ihn sterben lassen, sollte er weiterhin die Nahrung verweigern. Gandhi wurde 1944 endgültig entlassen.

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