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05.05.2008 
Handelsblatt-Serie „Gesichter Chinas“

Ein Napoleon und zwei Pandas

von Astrid Oldekop

Einige sollen schneller reich werden, forderte Deng Xiaoping vor 30 Jahren. Der Unternehmer Yan Bin hat ihn beim Wort genommen. Der Mann ist heute Multimillionär. Und Olympia nach China holte er auch. Sagt er.

Hausherr Yan Bin im Empfangssaal seines Hotels Reignwood Plaza in Peking: "Wenn man ein Unternehmen aufbaut, muss man vor allem Karten spielen und trinken können. Denn man braucht viele Freunde." Foto: Qilai Shen/sinopixLupe

Hausherr Yan Bin im Empfangssaal seines Hotels Reignwood Plaza in Peking: "Wenn man ein Unternehmen aufbaut, muss man vor allem Karten spielen und trinken können. Denn man braucht viele Freunde." Foto: Qilai Shen/sinopix

PEKING. „Kommen Sie schnell!“ ruft Yan Bins Assistentin eine halbe Stunde vor dem verabredeten Termin aufgeregt. „Doktor Yan will jetzt mit Ihnen sprechen. Sofort!“ Doch als wir im obersten, 23. Stock des Reignwood Plaza in Pekings bester Lage ankommen, lässt der Milliardär auf sich warten.

Yan Bin zeigt sich nicht. Doch er ist da: In den angespannten Gesichtern seiner Mitarbeiter, die in seiner Nähe nur flüstern. Auf den Fotos, die wie Trophäen an den Wänden hängen: Yan Bin neben Bill Clinton. Yan Bin mit Maradona. Yan Bin und Arnold Schwarzenegger. Yan Bin mit einer ganzen Armada chinesischer Politiker. Yan Bin mitten unter pinkfarben gekleideten Miss-World-Kandidatinnen. Wem gehört die Welt?

Eine Stunde verrinnt.

Auch im Namen seines Konzerns hat er sich verewigt. Sein Vorname „Bin“ bedeutet Wald. Auf Chinesisch heißt seine Firma „Hua Bin“ – „chinesischer Wald“. International firmiert sie unter „Reignwood“.



Yan Bin ist die Verkörperung des chinesischen Traums. Aus einfachen Verhältnissen schaffte er es mit Immobilien und dem Energy-Drink Red Bull auf Platz 17 des Hurun-Reports, Chinas Liste der Multimillionäre.

Anderthalb Stunden sind rum.

„Einige sollen zuerst reich werden“, hatte Deng Xiaoping zu Beginn der Öffnungspolitik Ende der 70er-Jahre gefordert. Yan Bin nahm ihn beim Wort. Und nicht nur er. Obwohl sich sein Vermögen in drei Jahren auf 800 Millionen Dollar – 5,5 Milliarden Yuan – verdoppelt hat, rutschte Yan auf der Reichenliste auf Platz 116 ab.

Geschichten wie die des 54-Jährigen gibt es im Reich der Mitte zuhauf. Kaum ein anderes Land gebiert so viele Superreiche wie die kommunistische Volksrepublik, die noch Anfang der 80er-Jahre eine der egalitärsten Gesellschaften der Welt war.

Heute führen die Immobilien-Tycoone Yang Huiyan mit einem Vermögen von 17,5 Milliarden Dollar und Xu Rongmao mit 7,5 Milliarden Dollar Chinas Reichenliste an. Platz zwei gehört mit zehn Milliarden Dollar dem Papiermagnaten Zhang Yin.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Vorbilder für Millionen

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