Neureiche wie Yan Bin sind Vorbilder von Millionen – und zugleich Chinas Alptraum. Baut Yan einen Golfplatz, fragt niemand, was mit den Menschen passiert, deren Dörfer weichen müssen. Plant er ein Luxushotel, verteidigt niemand die Schulen, die abgerissen werden.
Zwei Stunden sind vorbei.
Dann ist Yan Bin da. Durch eine der offenen Türen hereingekommen, umringt von vier Mitarbeitern. Posen für den Fotografen? Nein, Fotos nur während des Gesprächs, bitte.
Der 23. Stock ist Yan Bins persönliches Reich. Nichts erinnert an alte chinesische Kultur. Sein Empfangsraum ist 20 Meter lang und mit neoklassizistischem Kitsch eingerichtet. Goldene Vorhänge, goldener Kronleuchter. An einer Seite des Saals steht eine Harfe zwischen zwei thronartigen, roten Sesseln.
Dominiert wird der Raum vom Monumentalgemälde „Napoleon krönt Kaiserin Josephine“. Ein chinesischer Maler hat das Bild, das Jacques-Louis David 1806 schuf, für Yan Bin kopiert.
Für Unwissende hat der Hausherr Erklärschilder aufstellen lassen. Eines verrät, dass der Bösendorfer-Swarovski-Flügel mit der Inschrift „All night long“ eine von weltweit nur drei Sonderanfertigungen ist und eine Million Euro gekostet hat.
Wie man so reich wird? Ganz einfach. „Wenn man ein Unternehmen aufbaut, muss man vor allem trinken und Karten spielen können“, sagt Yan Bin. „Denn man braucht viele Freunde.“ Wichtig sei, ein gutes Vorbild abzugeben: früh aufstehen, spät schlafen gehen, eine Stunde Mittagsschlaf – und bei Schwierigkeiten die Arien von Peking-Opern trällern. „Wenn man so gewissenhaft arbeitet, wie die Mädchen ihre Haare kämmen, kommt auch der Erfolg.“
Yan lümmelt sich auf das mit blasslila Seide bespannte Sofa, in der Linken eine Pfeife, in der Rechten ein Schälchen mit jahrzehntealtem Pu-Erh-Tee, den er schlückchenweise trinkt. Hinter ihm steht eine aufklappbare Weltkugel – seine Minibar. 50 Firmen gehören zur Reignwood-Gruppe, das Gesamtkapital gibt Yan mit 3,85 Milliarden Dollar an.
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