Yan Bin verteilt Komplimente. Er schätze die Deutschen. Sein handgenähter Regent-Anzug sei aus Frankfurt, bei Zahnschmerzen fliege er mit dem Privatjet zum Arzt nach Würzburg, die Spritzen gegen Falten bekomme er in einer Schwarzwald-Klinik, die Abfüllanlagen seiner Getränkefirma hätten Deutsche gebaut – und gerade habe er ein Fünf-Jahres-Visum für Deutschland beantragt.
Sogar das deutsche Rechtssystem beeindruckt ihn, allerdings schränkt er ein: „In einem Rechtsstaat haben alle ihre feste Position, da gibt es weniger Geschäftschancen.“
In seinem Reich bremst ihn keine Gewaltenteilung. Hier hat nur einer das Sagen. Ruppig – und damit völlig unchinesisch – fährt er seiner Assistentin über den Mund. Als Chef wird er gefürchtet. „Die Angestellten durften am Wochenende nicht frei nehmen. Deshalb habe ich das Unternehmen verlassen“, schreibt eine Ex-Mitarbeiterin im Internet. Andere klagen, Yans Ton sei wie der zu Zeiten der Kulturrevolution.
Die setzte einst seiner Schulkarriere ein Ende. 1970, Yan ist 16, wird er aufs Land nach Henan geschickt und schaufelt Mist. Heute verklärt er diese Jahre: „Das war keine schwere Zeit, das war eine Schulung. Ich habe gelernt, was es heißt, fleißig zu sein und durchzuhalten.“ Das Andenken an den, der ihn damals Mist schippen ließ, pflegt Yan Bin – auf seine Art.
Mao „hatte eine klare Strategie“, schwärmt er. Denn Mao habe verstanden, was Marketing heißt, und die Herzen der Menschen erobert. In der Gemäldegalerie von Reignwood Plaza hängen monumentale Bilder – der Große Vorsitzende in Öl.
Doch als sich China Ende der 70er-Jahre öffnet, lässt sich Yan nicht zweimal bitten: „China war zu arm. Thailand stellte Chinesen Visa aus. Da bin ich abgehauen.“ Yan Bin, ein Wirtschaftsflüchtling unter Millionen.
Im Norden Thailands schlägt er sich durch. Er soll mit Immobilien gehandelt und für Chinesen Thailand-Reisen organisiert haben. Sprechen mag Yan darüber nicht mehr. Nur was wirklich wichtig war, erwähnt er noch: dass er 1984 einen thailändischen Pass erhielt. „In den 80ern war es schwierig, mit einem chinesischen Pass ins Ausland zu reisen. Ein thailändischer Pass war praktischer.“
Yan Bin heißt nun Chanchai Ruayrungruang. Doch das ist nur eine pragmatische Maskerade: Die thailändische Kultur sei gerade mal 200 Jahre alt, von ihr habe er rein gar nichts gelernt. „Im Herzen bleibt ein Chinese immer Chinese.“
Ist es nützlich, spielt er jedoch noch heute die thailändische Karte. Mal lässt er sich als einflussreichster „ausländischer“ Investor im Reich der Mitte feiern, dann wieder als einer der Top-Unternehmer Chinas.
Lesen Sie weiter auf Seite 4: Einflussreiche Freunde


