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05.05.2008 

Die Thailand-Jahre sind entscheidend für seinen Aufstieg. Yan findet einflussreiche Freunde. Premierminister Thaksin Shinawatra berät er in Wirtschaftsfragen. Und wie hält er es in China mit der Politik? Mitglied der Kommunistischen Partei sei er, heißt es. Ungewöhnlich wäre das nicht, über ein Drittel der Neureichen Chinas sind nach den Untersuchungen von David Goodman von der Universität Sydney KP-Mitglieder, während es sonst nur fünf Prozent der Chinesen sind. Doch Yan gibt sich unpolitisch: „Wenn man in Asien Geld hat, geht man nicht in die Politik.“

Ob Mitglied oder nicht, Geld und Politik haben sich in China verbündet, sagt Experte Goodman. Wohlstand stelle das Ein-Parteien-System nicht automatisch infrage, wie mancher im Westen hoffe, sondern er stabilisiere sogar das System. Unternehmer Yan Bin hofft, dass das so bleibt: „In dieser Phase der Entwicklung brauchen wir unbedingt die Ein-Parteien-Politik. Wenn mehrere Parteien da sind, führt das zum Chaos.“

Yan Bins Aufstieg unter die reichsten Chinesen beginnt 1995. Aus Thailand kennt er Chaleo Yoovidhya, dessen Aufputschtrank „Krating Daeng“ die Rezeptur für Red Bull liefert. Yan Bin sichert sich die Lizenzrechte für China. Bald werden die blauen Dosen zum Statussymbol moderner Chinesen – das „Vitamingetränk“ macht Yan in weniger als einem Jahrzehnt zu einem der reichsten Chinesen. Heute hat Red Bull China drei Fabriken, 1 500 Mitarbeiter, 30 Niederlassungen und verkauft jährlich eine halbe Milliarde Dosen.

Möglicherweise muss Yan von seinem Fast-Monopol bald etwas abgeben – an Dietrich Mateschitz. Der Österreicher hat Red Bull weltweit groß gemacht, er hält die Markenrechte, nur in einigen asiatischen Ländern hat er noch keine Lizenz. Das soll sich ändern, deshalb verhandelt Red Bull Österreich derzeit mit Yan Bin. „Ein Eintritt von Red Bull Fuschl in das China-Joint-Venture ist in absehbarer Zukunft wahrscheinlich“, sagt Tina Sponer von Red Bull Österreich in Fuschl. Wie diese künftige Zusammenarbeit aussehen wird, will Yan Bin nicht kommentieren.

Auf das Getränkegeschäft jedoch ist er längst nicht mehr angewiesen. Er investiert anderswo – vor allem in westlichen Lifestyle. Sein Golfclub „Pine Valley“ soll zum „Augusta“ Chinas werden, auf dem Gelände soll der „beste Poloclub“ Chinas entstehen, sein Reignwood Plaza soll zum „besten Hotel im Zentrum Chinas“ werden. Kürzlich hat er noch ein Grundstück an der Hauptachse Pekings ergattert – für zwei weitere Luxushotels. „Die wirklichen Milliardäre werden in China über die Vergabe der Landrechte gemacht“, sagt ein Immobilienexperte in Peking. „Die Parteifunktionäre spielen Gott.“

Yan wohnt auf dem 60 000-Quadratmeter-Gelände seines Golfclubs 60 Kilometer westlich von Peking. Dass der verehrte Mao Golf einst als dekadent verbieten ließ, ficht Yan nicht mehr an. Das Club-Gelände bietet eine kitschige Hochzeitskapelle, thailändische Bäder und eine Zucht mit deutschen Schäferhunden. Seine Gäste bringt Yan Bin im Herzstück der Anlage unter, einer marmornen Kopie des Weißen Hauses von Washington, D.C.

Seit der Eröffnung 2001 hat er 100 Millionen Euro in den Club gepumpt. Doch obwohl er hochkarätige Turniere nach Pine Valley holt, kommt das Geschäft nicht so recht in Gang: Die Saison im harschen Kontinentalklima Pekings ist kurz. Bisher hat der Club nur 300 Mitglieder. Eine Mitgliedschaft kostet mehrere Hunderttausend Dollar.

Fragt man Yan Bin, wie er seine soziale Verantwortung als Unternehmer wahrnehme, stutzt er kurz. „Ich zahle Steuern“, antwortet er und wiederholt den Satz, als wäre das schließlich keine Selbstverständlichkeit.

Dann fällt ihm noch ein, dass er in Pine Valley Zehntausende Bäume gepflanzt hat, um die langsame Verwüstung Pekings aufzuhalten. Und schließlich erzählt er von seinem größten Erfolg: „Ich habe geholfen, Olympia nach China zu holen.“ Er habe 2001 zwei Pandas aus dem Pekinger Zoo mit seinem Privatjet zur Olympia-Entscheidung nach Moskau geflogen. „Ich habe die Pandas mitgebracht, weil sie so lieb waren“, sagt Yan und spielt mit seiner Pfeife. „Mit diesen Pandas haben wir der Welt den Eindruck vermittelt, dass wir Chinesen sympathisch sind.“

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