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17.07.2007 
Studienanfänger

Frauen erobern die Hochschulen

von Peter Thelen

Beinahe jeder zweite Erstsemester in Deutschland ist weiblich: Frauen setzten sich sowohl bei den Einschreibungen als auch bei der Promotion mehr und mehr durch. Allerdings schaffen nur wenige den Sprung in eine Professur – was nicht an mangelnder Qualifikation liegt.

BERLIN. An den Universitäten stellen Frauen inzwischen rund 50 Prozent der Studienanfänger. Auch bei den Promotionen haben sie seit den 80er-Jahren stark aufgeholt. 40 Prozent der Doktorarbeiten werden inzwischen von Frauen geschrieben. Doch mit jeder weiteren Karrierestufe sinkt der Frauenanteil drastisch. Nur 15 Prozent der Professuren in Deutschland sind von Frauen besetzt. Der Deutsche Wissenschaftsrat will das ändern.

Bereits vor neun Jahren hatte das wichtigste Beratungsgremium des Bundes und der Länder in Bildungs- und Wisssenschaftsfragen die mangelnde Chancengleichheit an Hochschulen beklagt. Gestern legte er nach. Die im internationalen Vergleich geringen Frauenanteile bei Professuren und in Spitzenpositionen der Forschung seien nicht nur ein Gerechtigkeitsproblem. Sie stellten auch einen Wettbewerbsnachteil da.

Denn die deutsche Forschung könne angesichts des schrumpfendem wissenschaftlichen Nachwuchs auf hoch qualifizierte Frauen nicht mehr verzichten. Derzeit drängen zwar noch die letzten geburtenstarken Jahrgänge an die Unis. Auf der anderen Seite werden bis 2014 mehr als ein Drittel der Professoren aus dem Amt scheiden.

Der Wissenschaftsrat beklagt in seinem Gutachten „subtil ausgrenzende Faktoren“ im Hochschulbetrieb. Absolventinnen würden seltener direkt vom Professor zu einer wissenschaftlichen Karriere ermuntert. Während in Deutschland Promotion, Habilitation und die Berufung auf eine Professur oft von persönlichen Kontakten abhängen, gibt es in anderen Ländern wie den USA formelle und kontrollierbare Verfahren. Dort hätten Frauen mehr Chancen. Eine Professorenbefragung durch ein Team der Münsteraner Politologin Annette Zimmer ergab, dass an deutschen Unis deutlich mehr Männer als Frauen während ihrer Promotion eine Festanstellung erhalten.

Mehr Transparenz und formalisiertere Verfahren bei der Rekrutierung des wissenschaftlichen Nachwuchses sind nach Ansicht des Rates ein Weg, die Karrierebarrieren für Frauen aufzubrechen. Frauenquoten, wie sie der frühere Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Ernst-Ludwig Winnacker gefordert hatte, lehnt der Wissenschaftsrat jedoch ab. Er plädiert stattdessen für eine Art „Kaskadenmodell“. Danach soll bei der Besetzung von Stellen ein mindestens so hoher Frauenanteil angestrebt werden wie auf der darunter liegenden Qualifikationsstufe.

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