0 Bewertungen
27.04.2006 
Weltraumtourismus

Für 100 000 Dollar ein Ticket ins All

Vor fünf Jahren, am 28. April 2001, flog der US-Multimillionär Dennis Tito als erster Weltraumtourist zur Internationalen Raumstation ISS. Seitdem sitzt der neue Industriezweig Weltraumtourismus in den Startlöchern und träumt vom großen Geld. Die Branche preist das Urlaubsziel Weltraum bereits als einzigartiges Vergnügen.

HB WASHINGTON. Nervenkitzel und Herzpochen gepaart mit erstaunlicher Sicht und endlosem Spaß in der Schwerelosigkeit. In zwei Jahren sollen die ersten privaten Raumschiffe in mehr als 100 Kilometer Höhe über der Erde am Rand des Weltalls kreuzen.

Tito ließ sich wie seine beiden bisherigen Nachfolger, der Südafrikaner Mark Shuttleworth (2002) und der US-Bürger Gregory Olson (2005), das Weltraumabenteuer 20 Millionen Dollar (16 Millionen Euro) kosten. Bei knapp 800 Milliardären und 8,3 Millionen Millionären weltweit sieht die Branche keinen Mangel an Reisewilligen. Das auf die Vermittlung von Weltraumflügen spezialisierte Unternehmen Space Adventures in Vienna (Virginia) bei Washington reservierte jetzt dem Japaner Daisuke Enomoto als viertem Weltraumtouristen einen Platz an Bord einer russischen Sojus-Kapsel.

Die Sojus-Buchungen sieht Space Adventure nur als Notlösung. Die ehrgeizigen Pläne reichen viel weiter. In Singapur und im Emirat Ras al-Chaimah in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) sollen bis 2008 zwei Weltraumbahnhöfe entstehen. Die Investmentfirma Prodea aus Texas und die russische Raumfahrtagentur sollen ein völlig neues Raumschiff für fünf Passagiere entwickeln. Für 100 000 Dollar können künftige Weltraumtouristen dann ein Ticket lösen. Nach der Rückkehr zur Erde darf sich jeder Astronaut nennen. Space Adventures rechnet nach eigenen Angaben mit 5000 bis 10 000 Passagieren pro Jahr.

Auch beim größten Konkurrenten, Virgin Galactic, sind Geld und Know-how eine Fusion eingegangen. Der britische Fluglinien-Mogul und Multimillionär Richard Branson versicherte sich der guten Dienste des ersten privat finanzierten Raumschiffes „SpaceShipOne“ vom kalifornischen Unternehmen Scaled Composites. An Bord des Nachfolgemodells werden sieben oder acht Menschen den „Bungee-Sprung in den Orbit“ machen. Nach fünf Minuten in der Schwerelosigkeit segelt „SpaceShip Two“ zur Erde zurück.

Obwohl Virgin Galactic rund 200 000 Dollar für die zweieinhalb Stunden Flugvergnügen verlangt, haben nach Unternehmensangaben 157 Personen bereits gebucht; darunter Prominente, Schauspieler und Musiker wie David Navarro, Ex-Gitarrist von den Red Hot Chili Peppers. Manchem Star oder Sternchen wird aber selbst ein dickes Bankkonto nicht helfen: Bei Brustimplantaten oder Herzproblemen wollen die Veranstalter kein Risiko eingehen.

Langfristig träumt die Branche vom Aktivurlaub im Weltraum-Hotel mit Weltraumspaziergängen und Weltraumdiät. Die gut zahlende Klientel kann dann nach Vorstellung der Veranstalter auch eine Woche lang auf Foto-Safari gehen: Wüsten oder Berge, Vulkan-Ausbrüche oder große Waldbrände, Sonnenaufgang oder Nordlichter. Und dann locken da noch die Weltraumhochzeiten – zumal es bei Gruppenreservierungen Rabatt geben soll.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

Bildergalerien

 

zurück vor
  • Der letzte Kahn: Große Ge...

    Der letzte Kahn: Große Gesten, große Gefühle

    Eingehüllt in eine Bayern-Fahne hat Oliver Kahn die Fußball-Bühne verlassen. Als der Torwart-Titan am Dienstagabend Abschied nahm, erhoben sich die 69 000 Zuschauer in der Allianz Arena und feierten den scheidenden Schlussmann. Wie Fans und Prominenz aus Sport, Po...Bildergalerie 

  • Die Ruhe nach dem Sturm

    Die Ruhe nach dem Sturm

    Die Metropole New Orleans hat „Gustav“ glimpflich überstanden. Der Wirbelsturm hat inzwischen über Land weiter an Kraft verloren und wurde zum Tropensturm herabgestuft. Dennoch hinterließ er eine Schneise der Verwüstung. Der Tag nach dem Hurrikan in Bildern. Bildergalerie 

  • Von Tränen, Eheglück und ...

    Von Tränen, Eheglück und Nasenklemmen bei Olympia

    Zwei Wochen lang präsentierten sich Athleten und Funktionäre bei den Olympischen Spielen in Peking der Welt. Welche Figur die Olympioniken in Peking machten – und wem das Gold für die außergewöhnlichste Performance gebührt.Bildergalerie 

  • Das Geheimnis des Sieges

    Das Geheimnis des Sieges

    Ein Boxer und ein Radfahrer grübeln über alternative Siegstrategien, ein Stabhochspringer und ein Taekwondo-Kämpfer fühlen sich wie verwandelt. Basketballerinnnen sind einiges gewohnt, und eine Judoka gibt ihr Geheimnis preis. Die Olympia-Zitate.Bildergalerie