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30.12.2007 
Die Zukunft Chinas

Geburt einer neuen Stadt

von Janis Vougioukas, Wirtschaftswoche

Wer die Zukunft erkennt, dem gehört der Markt: Während sich Trendforscher und kreative Unternehmen über die Zukunft Chinas den Kopf zerbrechen, sollen die Olympischen Spiele im Jahre 2008 Chinas Hauptstadt zur Weltmetropole machen. Doch noch befindet sich Peking in einem kreativen Durcheinander – das Entstehen einer neuen Stadt.

In der Nacht hatte Zhang Youdai einen Traum. Eine Stimme sang "No Woman No Cry" von Bob Marley, etwas schneller als in der Originalversion. Es war so real, dass Zhang sich an den Schreibtisch setzen musste, um das Lied aufzuschreiben, obwohl er sich erst vor ein paar Stunden hingelegt hatte. Doch als er den Stift in die Hand nahm, war die Melodie schon fast wieder verblasst. "Manchmal fühle ich mich wie ein Sklave der Musik", sagt Zhang.

Er schaut aus dem Fenster. Der Himmel ist klarer als sonst, von hier oben im 28. Stock seiner Penthousewohnung kann man den ganzen Pekinger Osten überblicken. Viele halten Zhang auch heute noch für einen Rebellen.

Dabei sieht er gar nicht danach aus. Seine Füße stecken in grauen Frotteepantoffeln mit aufgestickten Comic-Hasen. Er sitzt in seinem Wohnzimmer in einer wuchtigen Sitzecke mit Rosenmuster.

Doch nur wenige Menschen haben China so stark verändert wie Zhang Youdai, der mit seinem rundlichen Gesicht immer ein wenig spitzbübisch wirkt.

Zhang ist noch nie einem Trend gefolgt, immer folgten andere ihm: Der 41-Jährige ist DJ, heute wohl einer der ältesten im ganzen Land.

Als er vor 20 Jahren anfing, war er einer der ersten. Zhang moderierte damals eine Radiosendung im Pekinger Rundfunk. Im Alleingang brachte er den Rock ’n’ Roll nach China. Seine Musik öffnete Herzen und Ohren ganzer Jugendgenerationen. Er bekam Tausende Liebesbriefe, an die Musik, an ihn persönlich. So wurde er zum Freund und Berater der chinesischen Jugend. "Wir alle hatten damals das Gefühl, irgendetwas machen zu müssen", sagt er.

Es fing an mit kopierten Kassetten, die ausländische Studenten ins Land geschmuggelt hatten. Das war Anfang der Achtzigerjahre, als westliche Musik der regierenden Kommunistischen Partei noch als "geistige Verschmutzung" galt.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Der kollektive Bewegungsdrang.

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