0 Bewertungen
30.12.2007 

Damals gab es kein Nachtleben in Peking, keine Bars und keine Clubs. Mit seinen Freunden organisierte Zhang Partys und Konzerte in Restaurants. Vieles hat sich seitdem geändert, es gibt heute regelmäßig Technopartys auf der Großen Mauer. Aber wenn es um Musik geht, ist Zhang immer noch überall dabei.

Kurz nach ein Uhr in der Nacht brettert er dann in seinem silbernen VW-Jetta über die fast leere Stadtautobahn und stellt den Wagen quer auf dem Bürgersteig vor dem Club "Suzie Wong" ab. "Suzie Wong" gehört mit dem Club "China Doll", welcher der Schauspielerin Ai Wan gehört, zu den wichtigsten Adressen des Pekinger Nachtlebens. "Suzie Wong" ist nach einem Roman des Schriftstellers Richard Mason benannt. Darin verliebt sich ein englischer Künstler in eine chinesische Prostituierte.

Der Raum im "Suzie Wong" ist schmal und länglich, in der Mitte steht eine große Bar, ganz hinten auf einem Podest das DJ-Pult. Die Wände sind in plüschigen Rottönen dekoriert, chinesische Antiquitäten stehen zwischen den Bartischen, die Scheinwerfer an der Decke werfen ihre bunte Lichtkegel in den Raum, schwitzende Körper reiben sich aneinander - Zhang steuert sie mit seinen Reglern und Plattentellern. Harte Bässe dröhnen.

Zhang ist inzwischen auf elektronische Musik umgestiegen, die er in einem Modegeschäft in Hongkong zum ersten Mal hörte und nach China brachte, so wie zuvor die ausländische Rockmusik.

Zhang ist kein "normaler Chinese", wie er selbst sagt. Und doch ist er typisch für Peking, Chinas staubgraue Hauptstadt mit ihrer latent rebellischen Jugend, die auf den Straßen so gerne provoziert und zu Hause die Plüschschlappen überzieht, typisch für 20 Jahre Aufbruchstimmung und Elan, für den Stolz, ein Pekinger zu sein. "Es geht mir nicht um Politik", sagt Zhang, "nur um die Musik." Der ganze Club tanzt jetzt vor seinem Podest, Arme, Beine, Haare wirbeln durch die Luft: der kollektive Bewegungsdrang des Neuen Chinas.

Ein Jahr noch bis zu den Olympischen Spielen in Peking. Dann wird Chinas Hauptstadt für ein paar Wochen zum wichtigsten Ort der Welt. Nicht jeder hier interessiert sich für Sport. Doch überall spürt man Vorfreude und Aufregung: Lust auf Zukunft.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Die Einhaltung des Spuckverbotes.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne

Beiträge zum Thema

Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

Bildergalerien

 

zurück vor
  • Von Tränen, Eheglück und ...

    Von Tränen, Eheglück und Nasenklemmen bei Olympia

    Zwei Wochen lang präsentierten sich Athleten und Funktionäre bei den Olympischen Spielen in Peking der Welt. Welche Figur die Olympioniken in Peking machten – und wem das Gold für die außergewöhnlichste Performance gebührt.Bildergalerie 

  • Olympia: Pleiten, Pech un...

    Olympia: Pleiten, Pech und Pannen

    Wenn sie gewusst hätten, was auf sie zukommt, wären diese Athleten wahrscheinlich lieber zu Hause geblieben: unfaire Verlierer, unglückliche Athleten und arme Pechvögel der Spiele von Peking. Ein Rückblick.Bildergalerie 

  • Das Geheimnis des Sieges

    Das Geheimnis des Sieges

    Ein Boxer und ein Radfahrer grübeln über alternative Siegstrategien, ein Stabhochspringer und ein Taekwondo-Kämpfer fühlen sich wie verwandelt. Basketballerinnnen sind einiges gewohnt, und eine Judoka gibt ihr Geheimnis preis. Die Olympia-Zitate.Bildergalerie 

  • Goldener Glanz am vorletz...

    Goldener Glanz am vorletzten Tag

    Gold, Silber, Bronze – am Samstag war für deutsche Athleten jedes Edelmetall dabei. Während sich die Hockey-Herren und Sabine Spitz mit dem Mountainbike die olympische Krone aufsetzen konnten, musste sich zwei bisher ungeschlagene Kanuten mit Silber begnügen. Die Medai...Bildergalerie