Dass die Spiele tatsächlich ein Erfolg werden, ist allerdings noch keinesfalls sicher. Jede Menschenrechtsorganisation der Welt wird versuchen, die Aufmerksamkeit zu nutzen und auf dem Platz des Himmlischen Friedens medienwirksame Demonstrationen veranstalten. Wird Peking souverän genug sein, das einzig Richtige zu tun und die Demonstranten gewähren lassen? Oder werden die Fernsehnachrichten hässliche Bilder von Verhaftungen und Polizeieinsätzen zeigen? Die Sponsoren sind besorgt. Niemand möchte plötzlich als Unterstützer eines autoritären Systems dastehen.
Doch wie sieht die Zukunft Chinas aus? Man hätte diejenigen, die sich darüber professionell Gedanken machen, an jedem anderen Ort vermutet, aber nicht in dem grauen Moderhochhaus mitten in einem Abrissviertel. Über die Straße wabert der Geruch von Kompost.
Das Gebäude war einmal die Zentrale eines staatlichen Kohlekonzerns, ein Denkmal der Planwirtschaft - hinter den grauen Mauern sitzen heute aber viele junge Firmen. Die Mieten sind hier noch günstig und irgendwie passt das Gebäude sehr gut zu Peking, ein Denkmal an die Zeit vor den Glitzerfassaden und Stadtautobahnen.
Erst wenige Jahre ist das her und doch so weit weg. Am Ende eines schmalen Korridors im zweiten Stockwerk liegt das Trendbüro, die chinesische Niederlassung der Hamburger Zukunftsforscher. Dirk Jehmlich sitzt an einem schwarzen Konferenztisch, hat seinen Apple-Laptop aufgeklappt, über den Bildschirm huschen bunte Diagramme und Schlagworte. Jehmlich und seine Mitarbeiter versuchen, für ihre Kunden in die Zukunft zu blicken.
Welche Autos will der chinesische Markt in fünf Jahren? Welche Rolle spielen Mode- und Luxusgüter künftig für welche Kundengruppen? Was wollen die Chinesen?
„Alle Konzerne sind inzwischen hier, doch viele verharren in der Gegenwart", sagt Jehmlich. Wer die Zukunft erkennt, dem gehört der Markt. Immer wieder hatte sich das Trendbüro von der Hamburger Zentrale aus mit dem wachsenden chinesischen Markt beschäftigt, denn Kunden wie Volkswagen, Audi und Adidas schenken China längst größte Aufmerksamkeit.
Dass auch kreative Unternehmen, Designer, Architekten und andere Dienstleister wie das Trendbüro Niederlassungen in Peking eröffnen, ist eine neue Entwicklung. Sie zeigt: China ist heute viel mehr als das Niedriglohnland, in dem billige T-Shirts zusammengenäht werden.
Lange haben die Chinesen alles Ausländische mit geradezu religiösem Glauben verehrt. "Das wird sich ändern", ist sich Jehmlich gewiss. Bisher haben die westlichen Konzerne ihre Produkte in Europa und den USA entwickelt, denn dort waren die Kunden, die Chinesen bekamen die Restbestände. "Doch der Markt ist hier, bald werden auch die westlichen Unternehmen ihre Produkte für China entwickeln", sagt Jehmlich.
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