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08.05.2008 

Han wehrt sich noch immer dagegen – auch im Exil. Mit seiner Frau und drei Söhnen lebt er auf der idyllischen Insel Lamma vor Hongkong. 30 Minuten dauert die Überfahrt mit der Fähre. Die Dieselmotoren stampfen, die Gischt spritzt. Im Örtchen Yung Shue Wan legt das Boot mit einem eleganten Schwung am Pier an. Lamma ist eine Oase, keine Hochhäuser, kaum Autos. Hongkongs Wolkenkratzer, die Arbeitsbedingungen im Perlflussdelta, die Erinnerungen an 1989 – all das ist hier ganz weit weg.

Es hat lange gedauert, bis sich Han hier zu Hause fühlen konnte. Als er nach seinem USA-Aufenthalt 1992 nach Hongkong kam, wollte er sofort zurück nach China. Im Gefängnis hatte er es verflucht, als Chinese geboren zu sein. Hatte seinen Peinigern entgegengehalten, er wolle im nächsten Leben lieber als Schwein oder Hund zur Welt kommen.

Genau dieser Mann will jetzt unbedingt zurück in seine Heimat. Nur: China will ihn nicht mehr haben. Immer, wenn er die Grenze überqueren will, schicken die Chinesen ihn zurück in die damalige britische Kronkolonie. Daran ändert sich auch 1997 nichts, als Hongkong wieder Teil von China wird.

Han ist im Exil seinen Ideen von 1989 treu geblieben. „Mir geht es aber heute“, sagt er, „nicht mehr um die großen demokratischen Ideale, sondern um ganz praktische, elementare Dinge.“ Den Vorwurf, er habe in Hongkong längst den Kontakt zur Volksrepublik verloren, weist er zurück. „Ich weiß sehr genau, was in China los ist.“



Von dort rufen ihn fast täglich Arbeiter an. 1997 entstand daraus die Idee einer Radiosendung bei Radio Free Asia, einem vom amerikanischen Kongress finanzierten Kurzwellensender, der aus Chinas Nachbarländern ein Programm in Chinesisch in die Volksrepublik sendet. Und obwohl Peking versucht, die Sendungen zu stören, kommt Han Dongfangs Stimme doch bei vielen Arbeitern an.

Dreimal die Woche, jeweils 15 Minuten lang, ist sein „laogong tongxun“, sein Arbeiterreport, zu hören. Aus Sorge um die Sicherheit seiner Informanten, ließ Han anfangs die Stimmen seiner Anrufer verzerren. Doch die meisten wollen das gar nicht, sie wollen offen sprechen. „Viele Menschen haben alles verloren, auch die Angst“, sagt er.

Offenbar haben auch die Mächtigen in Peking erkannt, dass jemand wie er nützlich sein kann. Mit Hilfe seiner Beratung werden oft die zunehmenden Arbeiterkonflikte im Perlflussdelta entschärft, haben Beobachter festgestellt. „Ich bin eine Art Feuerwehr für China“, sagt Han.

Der Rebell von 1989 will noch immer das Beste für sein Land, Han Dongfang hat nicht aufgegeben. „Man kann doch nicht gegen das Volk regieren“, schimpft er. Draußen auf der Baustelle rummst es. Wieder ein Eisenträger, die Wände zittern.

Er sei glücklich, dass er heute China wenigstens von außen verändern könne, sagt Han. Dann holt er tief Luft. „Ich bin ein kleiner Träumer“, sagt er, „aber ich bin auch Realist.“

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