Auch Ludger Tebartz van Elst, Sprecher des Süddeutschen Brain Imaging Centers an der Universitätsklinik Freiburg, warnt vor der „suggestiven Kraft der verführerischen Hirnbilder“. Genau wie Roskies weist auch er auf die komplizierten Verfahren im Hintergrund der Bilder hin. „Hinschauen“ allein würde nicht ausreichen, um zu wissen was im Hirn eines Menschen vorgehe.
Um die Interpretationen der wissenschaftlichen Künstler zu verstehen, müsse man sich klarmachen, dass die meisten Verfahren, wie etwa die funktionelle Magnetresonanztomografie (fMRT), indirekte Messmethoden seien, erklärt Roskies. Nicht die Hirnaktivität selbst, sondern ihre Folgen werden gemessen. Im Falle der fMRT sind das die magnetischen Eigenschaften von Wasser und Blut, denn in einer aktiven Hirnregion sind Blutfluss und Sauerstoffgehalt erhöht. Dadurch vergrößert sich die Konzentration von sauerstoffhaltigem relativ zu sauerstoffarmem Hämoglobin, dem Blutfarbstoff.
Die unterschiedlichen magnetischen Eigenschaften von sauerstoffhaltigem und sauerstoffarmem Hämoglobin sind das, was Wissenschaftler als „Blood oxygenation level dependent“(BOLD)-Effekt messen. Dabei stütze sich die Forschergemeinde auf Theorien, deren Wahrheitsgehalt keinesfalls als gesichert gelten, bemerkt Roskies.
Für eine erfolgreiche Messung muss sich eine Versuchsperson zudem in eine enge, dunkle Röhre, den Scanner, legen. Dabei sollte sie sich nicht bewegen, da es sonst zu Störungen im Bild kommen kann. Ganz abgesehen davon, dass dies eine recht unnatürliche Situation für den Menschen darstellt, kommt es nicht selten zu Angstreaktionen und Stress, die sich dann auch in den Bildern ausdrücken können.
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