Nicht nur Roskies und Tebartz van Elst kritisieren, dass Neurobilder wie Fotografien gehandhabt werden. Schon im letzten Jahr warnte eine Studie, durchgeführt im Auftrag des Zentrums für Technikfolgen-Abschätzung beim Schweizerischen Wissenschafts- und Technologierat (TA-SWISS), dass die Hirnbilder „nicht wie bei einer Kamera aufgenommen sind, sondern aus einer riesigen Anzahl von Messwerten berechnet werden“. Und weiter: „Aufgrund der Erkenntnisse der Hirnforschung – anschaulich präsentiert durch farbige Hirnbilder – werden spektakuläre Möglichkeiten in Aussicht gestellt, die kaum realisierbar sind.“ Die Studie, durchgeführt in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI), warnt, dass „Neuroimaging häufig – und zwar fälschlicherweise – als direkte, objektive und genaue ,harte Wissenschaft’ dargestellt und wahrgenommen wird“.
Ihre Aussage gründen auch die Verfasser dieser Studie auf die Methoden der bildgebenden Verfahren: Ob Computertomografie (CT), Magnetresonanztomografie (MRT) oder Positronen-Emissions-Tomografie (PET), alle bildgebenden Verfahren, so die Studie, messen eine Vielzahl von Daten, aus denen durch aufwendige Berechnungen Bilder konstruiert werden. Zusätzlich, bemerken die Autoren um Bärbel Hüsing vom ISI Karlsruhe, gehe es bei der Methode des Neuroimagings um die Mechanismen des Gehirns und nicht um dessen Inhalte. Gedankenlesen oder ähnlich absurde „Neuromythen“ seien demnach definitiv jenseits der Möglichkeiten bildgebender Verfahren, so Hüsing.


