Mehr als 80 Prozent des Mülls und des Abwassers werden in China nicht entsorgt oder geklärt. Über zwei Drittel aller Flüsse und Seen verkommen so zu Kloaken, ein Viertel aller Einwohner hat keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Die giftige Brühe schwappt durch Wasserwege, an deren Ufern besonders viele Menschen an Krebs sterben. Die legendäre Schwimmeinlage des 72-jährigen Mao Zedong im wilden Jangtse 1966, sie wäre heute kein Beweis der Stärke mehr, sondern sie würde als Selbstmordversuch durchgehen.
Viele von Chinas Städten ersticken im Dreck. Von den 30 schmutzigsten Metropolen der Welt liegen 20 im Reich der Mitte – darunter Peking. Zwar versucht die Regierung vieles, damit im August während der Olympischen Spiele die Luft sauberer wird. Nachhaltig ist das aber alles nicht.
Ohne Strom kein Wirtschaftswachstum, daher baut die Regierung weiter Kohlekraftwerke. Obwohl sich auch in China viele Windräder drehen und mehr Sonnenkollektoren installiert sind als in ganz Europa, entstehen über zwei Drittel der Elektrizität durch Verbrennung von Steinkohle. China löst die USA als größten Produzenten von Treibhausgasen ab.
Was kann man da noch ausrichten als Umweltschützer? Lo Szeping ist keiner, der bei solchen Fragen ins Philosophieren käme. Der Mann ist nicht vergrübelt, sondern praktisch veranlagt. Er zerteilt die Umweltkatastrophen in lösbare Probleme. „Bei Dingen, wo es noch nicht zu spät ist, kann man anfangen“, sagt er und kommt gleich zu seinem Lieblingsprojekt, das er ins Leben gerufen hat: dem Kampf gegen Computermüll. „Wir haben in Verhandlungen mit Computerherstellern inzwischen erreicht, dass sie keine die Gesundheit gefährdenden Stoffe mehr verwenden und Kinder, die da geboren werden, wo Elektroschrott entsorgt wird, eine höhere Lebenserwartung haben als das Mädchen auf dem Foto.“
Was Lo nicht sagt: Greenpeace hat sich bei seinen Kampagnen gegen den High-Tech-Müll auf die eher leichten Gegner konzentriert, die nach demokratischen Spielregeln kämpfen und die auf Argumente und Druck von Umweltschutzorganisationen empfindlich reagieren: westliche Computerkonzerne wie Hewlett-Packard und Dell, nicht chinesische Unternehmen. Hewlett-Packard und Dell seien einfach die größeren Hersteller, die Marktanteile hätten den Ausschlag gegeben, betont Lo. Nichts anderes.
Mehr mag er dazu nicht sagen. Das ist kein Thema, über das er gerne spricht. Aus einem offenen wird ein wortkarger Mensch. Nur so viel lässt sich Chinas Greenpeace-Chef noch entlocken: Man habe grundsätzlich kein Problem damit, sich auch bei einer chinesischen Firma und damit bei der Regierung, die in der Regel an den Unternehmen beteiligt ist, unbeliebt zu machen.
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