Doch diese Kämpfe sind schwerer auszufechten, die Risiken höher, die Gefechtslage ist vertrackter. Sind doch die Umweltschützer gleichzeitig auch auf die Gnade der Politiker angewiesen. Nichtregierungsorganisationen wie Greenpeace sind in China allenfalls halbwegs legal. Ihre Mitarbeiter riskieren eine Verhaftung, wenn sie den Unmut der Kommunistischen Partei auf sich ziehen. Für das Delikt „Regierungskritik“ drohen Gefängnisstrafen oder Zwangsarbeit. „Nur über Fehler der Regierung in Sachen Umweltschutz zu sprechen ist bereits gefährlicher, als wenn sich in Deutschland ein Umweltaktivist an Schienen kettet“, sagt Lo.
Daher gehen die Umweltschützer in China ganz anders vor als im Westen. Es funktioniert nicht, die andere Seite mit schlagzeilenträchtigen Aktionen bloßzustellen, die Regierung anzuprangern, Dinge zuzuspitzen. Lo Szeping arbeitet zwar für eine westliche Organisation, aber nach chinesischen Methoden. Und das heißt vor allem: Alles hat stets zwei Seiten. Und keiner der Beteiligten darf sein Gesicht verlieren.
Das klingt aus Los Mund dann so: „Ja, es stimmt, wir erleben in China Umweltkatastrophen im bislang unbekannten Ausmaß, aber in jeder Krise steckt eine Chance. Wir haben die Chance, die Dinge zu ändern. Die chinesische Regierung hat schon den Anfang gemacht und sich ambitionierte Ziele gesetzt.“ Und weiter: „Ja, es stimmt, der Planet hat keine Überlebenschance, wenn China seine Umweltprobleme nicht löst. Aber es ist nicht allein China, das man für alles verantwortlich machen kann.“
Der Mann ist dialektisch geschult: „Ich bin als Marxist erzogen und aufgewachsen“, sagt er über sich. Die Pflichtkleidung für das revolutionäre Proletariat trägt er auch, eine Schiebermütze, die an den KPD-Vorsitzenden Ernst Thälmann erinnert, ein schlecht sitzendes Sakko und eine zerknitterte Tweed-Hose. Er zitiert sie gelegentlich auch, die Kernsätze von Karl Marx, Antonio Gramsci & Co. – auch wenn er manchmal länger nachdenken muss, um die Weisheiten aus dem Gedächtnis zu kramen.
Doch es ist offenbar ein anderer Slogan, mit dem er sich stärker identifiziert und den er, ohne zu stocken, aufsagt: „Auf mich trifft zu, was die Grünen in Deutschland Anfang der 80er-Jahre propagierten: ,Wir sind nicht links, wir sind nicht rechts. Wir sind vorn.'“ Und vorn ist für den Chef von Greenpeace China dort, wo man nicht in Rechts-links-Rastern denkt, sondern nach Lösungen sucht, die der grünen Sache dienlich sind.
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