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06.05.2008 

Der Mann ist vor allem am Ergebnis orientiert, und er gibt sich entsprechend uneitel. Er redet stets in Wir-Form. Sein Büro teilt er sich mit Kollegen. Ohnehin verbringt er in Peking nur ein Drittel seiner Zeit, im Durchschnitt arbeitet er jede dritte Woche im Hongkonger Greenpeace-Büro – in Hongkong leben seine Frau und sein Sohn. Den Rest der Zeit reist er umher, im Herbst 2007 etwa nach New York zu einer Uno-Umweltkonferenz, wo Lo Szeping neben US-Außenministerin Condoleezza Rice saß und eine Rede hielt. Solche Auftritte kommentiert er selbstironisch: „Viele waren schon eingeschlafen, als ich redete.“

Es gibt wichtigere Dinge in seinem Leben – allen voran: „Wenn mein heute dreijähriger Sohn mich später fragt: ,Was hast du Sinnvolles im Leben getan?' dann will ich sagen können: Ich habe einen kleinen Beitrag geleistet, um die Welt zu retten.“

Ganz kurz nur erlaubt er sich ein wenig Sentimentalität. Bevor sein Mobiltelefon klingelt und der nächste Termin vereinbart werden muss: ein Treffen mit den Sicherheitsbeamten der Regierung. „Das ist Teil meines Jobs“, sagt Lo knapp. Man informiere sich gegenseitig über Aktionen, das gehöre in China zum Fair Play.


» China-Quiz: Bändigen Sie den Drachen?


Gespräche mit Regierungsbeamten, so hatte sich Lo seinen Job zunächst nicht vorgestellt. Es gab vielmehr Zeiten, als er selbst Beamter werden wollte. Politik- und Verwaltungswissenschaften hat Lo an der Uni Hongkong studiert, ein Semester in Berkeley verbracht – keine Selbstverständlichkeit für jemanden, der aus ganz einfachen Verhältnissen stammt. Sein Vater hatte keinen Schulabschluss, er arbeitete als Zeitungsausträger und Fahrer, seine Mutter verkaufte Gemüse.

Als Student kommt Lo Szeping auf Veranstaltungen wie dem Erdgipfel in Rio de Janeiro Anfang der 90er-Jahre mit Greenpeace-Aktivisten ins Gespräch: „Typen mit revolutionären Ideen, die meinten, sie könnten die Welt verändern“, erinnert er sich.

Als er Ende der 90er-Jahre Greenpeace beitritt, hat er, der Chinese, ein ganz anderes Ziel: „Greenpeace zu verändern und den Leute beizubringen, wie Asien tickt.“

Das hat er geschafft: „Er hat uns klargemacht, dass man auch in China auf Konfrontationskurs zur Regierung gehen kann, aber anders, als wir es bis dahin durch unsere Arbeit in anderen Ländern gewohnt waren“, sagt Lena Aahlby, Kampagnenmanagerin in der Greenpeace-Zentrale in Amsterdam, die Lo seit acht Jahren kennt.

Das Geschmeidige jedoch, das hat er zunächst selbst lernen müssen. Am Anfang ging er seinen Job sehr selbstbewusst an, fast ungestüm. Unverblümt, ohne Umwege wollte er in seiner ersten Zeit bei Greenpeace auf die Missstände in China aufmerksam machen. Zum Beispiel, dass Schiffswracks illegal in Chinas Gewässern entsorgt werden. „Wir sind aber nicht weit gekommen“, sagt er. Die Aktion endete mit seiner Verhaftung.

Lo hat seine Lektion schnell verstanden: „Direkte, aggressive Aktionen funktionieren nicht in China. Sie wirken, als wäre man extrem ärgerlich und hätte bereits versagt.“

Lesen Sie weiter auf Seite 5: Wie er einen Skandal aufdeckte

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