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06.05.2008 

Vor knapp vier Jahren legte er sein Meisterstück vor: Er deckte einen Umweltskandal auf und erntete dafür sogar Beifall und Unterstützung der chinesischen Zentralregierung. Greenpeace wies der Provinzregierung in Yunnan nach, mit dem indonesischen Papierhersteller Asia Pulp and Paper ein Komplott zur Zerstörung natürlicher Wälder unter Missachtung nationaler Gesetze geschmiedet zu haben. „Unsere Freund-Feind-Strategie lautete: mit dem nationalen Waldgesetz und der Zentralregierung gegen die Provinzregierung und den Konzern“, erklärt Lo Szeping.

Das Spiel ging auf, weil sich Greenpeace geschickt Chinas größten innenpolitischen Konflikt zunutze machte: das Ringen zwischen der Zentrale in Peking und den Provinzregierungen um die Einhaltung nationaler Vorschriften. Der Umweltschutz ist dafür ein Paradebeispiel.

Auf dem Papier existieren genug Regeln, die die chinesische Regierung erlassen hat und die von Umweltschützern stammen könnten. So gibt es für die 1 000 größten Unternehmen sehr konkrete Energiesparziele, die 14 Kohlekraftwerke überflüssig machen sollen. Doch Korruption vor Ort verhindert, dass solche Vorgaben eingehalten werden.


» Test: Der China-Fitness-Check für Unternehmen


Am Widerstand mächtiger Parteikader ist so manche gute Idee bereits gescheitert, unter anderem das Projekt „grünes Bruttosozialprodukt“. Es zieht die Kosten der Umweltschäden vom Bruttosozialprodukt ab – nach Berechnungen der Umweltbehörde waren es im Jahr 2004 drei Prozent. Statt um zehn Prozent wäre Chinas Wirtschaft also nur um sieben Prozent gewachsen.

Vor allem Pan Yue, Chinas Vize-Umweltminister, hat sich für das grüne BSP starkgemacht und deutliche Worte über den ökologischen Notstand im Lande gefunden. Weltweit wurde er als erster Ökologe unter Chinas Kommunisten gefeiert. Das Projekt ist inzwischen begraben, und auch um Pan Yue ist es ruhig geworden, verdächtig ruhig.

Lo Szeping will das nicht kommentieren – ebenso wenig wie die Kritik, die er sich nach den ersten Erfolgen jetzt immer häufiger anhören muss. Dass er zu eng mit der Regierung zusammenarbeite; dass Greenpeace nur das Umweltgewissen spiele; dass er seine Aggressivität aufgegeben habe und das oppositionelle Verhalten, das Greenpeace auf der ganzen Welt so berühmt wie berüchtigt machte. Lo schluckt seinen Ärger herunter, erlaubt sich nur diesen Satz: „Glaub mir: Greenpeace ist auch in China eine radikale Organisation, aber in unserem Vorgehen sind wir pragmatisch.“

Nur zwischen den Zeilen deutet er an, dass ihn das gelegentlich auch frustriert, dass er genug hat vom klugen Taktieren und vorsichtigem Operieren. „Doch unter dem Strich gibt es keinen Job, der mich mehr befriedigen könnte.“ Und dann schiebt er noch einen Ausspruch von Antonio Gramsci hinterher, den Gründer der Kommunistischen Partei Italiens: Man brauche im Leben den Pessimismus der Intelligenz und den Optimismus des Willens.

Aber vielleicht passt eine andere Geschichte von Gramsci besser zu Lo. Aus dem Gefängnis schickte der einst seinen Kindern eine Erzählung, die genau das zeigt, was der Umweltschützer vorlebt: Hoffnung zu haben, selbst wenn alles vergebens scheint.

In der Geschichte geht es um einen kleinen Jungen und eine Maus. Die Maus trinkt ein Glas Milch aus, das für den Jungen bestimmt ist. Als der Junge aufwacht und das leere Glas sieht, weint er. Die Maus geht zur Ziege, aber die Ziege hat keine Milch mehr, weil die Felder ausgedörrt sind. Die Maus geht zum Brunnen, aber da ist kein Wasser mehr. Der Brunnen ist eingestürzt, und es gibt keine Steine, um ihn zu reparieren. Da geht die Maus zum Berg, aber auch der will nicht helfen und einige Steine hergeben, weil man ihm Bäume geraubt hat. Die Maus verspricht dem Berg: Wenn der Junge groß ist, wird er dich wieder bepflanzen. Der Berg lässt sich überzeugen und gibt die Steine wieder her. Und der Junge bekommt so viel Milch, wie er will. Er bepflanzt den Berg, und die Erosion hat ein Ende. Der Berg wird wieder fruchtbar.

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