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14.05.2008 

Die meisten Geschäfte in Mianyang haben an diesem Tag nach dem Beben geschlossen. Es gibt in vielen Stadtteilen weder Strom noch Wasser. Mianyang gleicht einer Geisterstadt. Hotels dürfen keine Gäste mehr aufnehmen, haben die Behörden angeordnet. Manager Fang vom Hotel „Vier Jahreszeiten“ übernachtet mit seinem Personal in der Hotel-Lobby. Seine Leute haben überall halb mit Wasser gefüllte Plastikflaschen umgekehrt auf den Boden verteilt. „Wenn es bebt, kippen die um, und wir rennen raus“, sagt er.

Was spaßig klingt, ist für China ein großer Schock. Wenige Monate vor den Olympischen Spielen sehen viele solch eine Naturkatastrophe als schlechtes Omen. Doch die Regierung in Peking hat diesmal schnell reagiert und – anders als bei der Schneekatastrophe im Februar – die Hilfe gut organisiert.

Der Flughafen von Chengdu soll für Rettungsflüge frei sein. Doch Nebel und Dauerregen sind für die Rettungsmannschaften zum größten Problem geworden. Nicht mal Helikopter können einen Tag nach dem Beben aufsteigen und Hilfe in die umliegenden Bergdörfer bringen. Auch Beichuan liegt wie so viele Orte in diesem Teil Chinas eingebettet zwischen Bergketten. Nur zu Fuß können Soldaten einige Orte erreichen, andere Regionen sind noch ganz von der Außenwelt abgeschnitten.

Auf einer Trage vor dem Kreiskrankenhaus in Mianyang liegt eine Vierjährige aus Beichuan. Sie sei gerade in der Schule gewesen, erzählt sie stockend, als das Dach einstürzte. Das Mädchen überlebte. „Aber sie hat beide Eltern verloren“, sagt ein Pfleger. Er ist Verwaltungsangestellter. „Doch nach dem Erdbeben gestern habe ich mich freiwillig gemeldet, um zu helfen“, sagt er.

Geduldig organisieren die Menschen in Mianyang bislang ihre Rettung selbst. Internationale Hilfe ist in der Region noch nicht zu sehen. Doch die Lage spitzt sich zu. Die Stadtverwaltung Mianyangs hat darum alle öffentlichen Angestellten, die jünger als 50 sind, nach Beichuan abgeordnet, um zu helfen.

„Aber wir können nur bergen und die Wunden heilen“, sagt die junge Ärztin Li. „Die seelischen Schmerzen werden hier noch lange zu spüren sein.“ Und dann eilt sie zum nächsten Auto, das einen weiteren Schwerverletzten bringt.

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